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Epilepsie
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
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Epilepsie (von altgriechisch áźĎίΝΡĎÎšĎ epĂlÄpsis, deutsch âAngriffâ, âĂberfallâ, Ăźber áźĎΚΝΡĎÎŻÎą und lateinisch epilepsia, âAnfall, Krampfanfall, Anfallsleidenâ, seit dem 16. Jahrhundert nachweisbarcite-ref-kluge-1-0[1]), im Deutschen in frĂźheren Jahrhunderten, abgeleitet von Fall âSturzâ, âFallâ, Fallsucht (auch mittelhochdeutsch âfallende Suchtâ und lateinisch Morbus caducus) und zerebrales Anfallsleiden oder zerebrales Krampfleiden genannt, bezeichnet eine Erkrankung mit mindestens einem spontan aufgetretenen epileptischen Anfall, der nicht durch eine aktuell bestehende, erkennbare Ursache (beispielsweise eine akute EntzĂźndung des Gehirns, einen Schlaganfall oder eine Kopfverletzung) oder einen AuslĂśser (wie Entzug von Alkohol bei bestehender Alkoholabhängigkeit oder massiven Schlafmangel) hervorgerufen wurde. Voraussetzung fĂźr die Diagnosestellung schon nach einem Anfall ist ein erkennbar hohes Wiederholungsrisiko, ansonsten liegt definitionsgemäà erst nach zwei Anfällen im Abstand von mindestens 24 Stunden eine Epilepsie vor.
Ein epileptischer Anfallcite-ref-2[2] ist eine Folge plĂśtzlich auftretender, synchroner elektrischer Entladungen von Nervenzellen (Neuronengruppen) im Gehirn, die zu ungewollten stereotypen Bewegungs- oder BefindensstĂśrungen fĂźhren.
Contents
⢠Diagnose
⢠Epidemiologie
⢠Pathophysiologie
⢠Diagnostik
⢠Behandlung
⢠Akutbehandlung
⢠Dauerbehandlung
⢠Prognose
⢠Remission
⢠Mortalität
⢠Geschichte
⢠Museum
⢠Kraftfahreignung
⢠Merkzeichen
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Diagnose
Zur Diagnose werden sowohl mit Hilfe der Betroffenen als auch der AngehĂśrigen oder Dritter, die Anfälle beobachtet haben, die Krankengeschichte erhoben (Anamnese bzw. Fremdanamnese) und ein Elektroenzephalogramm (EEG; âHirnstromkurveâ) abgeleitet. Auch bildgebende Untersuchungen gehĂśren in aller Regel zur Routinediagnostik, während speziellere Verfahren besonderen Fragestellungen vorbehalten sind. Die Behandlung besteht zunächst in der Gabe von anfallsunterdrĂźckenden Medikamenten (Antikonvulsiva). In therapieresistenten Fällen kommen auch andere Methoden wie die Epilepsiechirurgie zum Einsatz.
Eine Epilepsie hat fßr den Betroffenen vielfältige Auswirkungen auf das Alltagsleben (wie zum Beispiel die Eignung fßr bestimmte Berufe oder das Autofahren), die in der Behandlung ebenfalls zu berßcksichtigen sind.
Epilepsie betrifft nicht nur Menschen, sondern kann in ähnlicher Form auch bei vielen Tieren auftreten (â Epilepsie bei Haustieren).
Epidemiologie
Die Inzidenz (Häufigkeit des Neuauftretens) von Epilepsien ist abhängig vom Lebensalter. Pro Jahr tritt bei etwa 60 von 100.000 Kindern eine Epilepsie erstmals auf, mit einem Konfidenzintervall von 43â82/100.000. Dabei sind Fieberkrämpfe und einzelne unprovozierte Anfälle nicht mit eingerechnet. Im Erwachsenenalter sinkt die Inzidenz zunächst auf etwa 30â50/100.000 im Jahr ab und steigt im hohen Lebensalter ab 60 Jahren auf bis zu 140/100.000 im Jahr an. Rechnet man bis zum 74. Lebensjahr alle Epilepsien zusammen, kommt man auf eine Häufigkeit von etwa 3,4 Prozent.cite-ref-siemes-3-0[3] Die Prävalenz aktiver Epilepsien liegt im Kindesalter wiederum altersabhängig bei 3â6/1000 Kindern. Im frĂźhen Kindesalter Ăźberwiegen dabei die Epilepsien mit generalisierten Anfällen (generalisierte Epilepsien), während im Erwachsenenalter Epilepsien mit fokalen Anfällen dominieren, die sich teilweise zu generalisierten Anfällen entwickeln kĂśnnen.cite-ref-siemes-3-1[3]
Ursachen von Epilepsien
Lassen sich fĂźr eine Epilepsie keine hirnorganischen oder metabolischen Ursachen finden, so sprach man frĂźher auch von genuiner Epilepsie, bei identifizierbaren Ursachen von symptomatischer Epilepsie. FĂźr beide Erkrankungsgruppen und auch fĂźr sog. Gelegenheitsanfälle (siehe Abschnitt Epidemiologie) lässt sich eine genetische Disposition feststellen. Mit der technischen Fortentwicklung der bildgebenden Verfahren und der Labordiagnostik tritt die Diagnose einer genuinen Epilepsie zahlenmäĂig zurĂźck.
Ursachen symptomatischer Epilepsien:
⢠perinatale Hirnschädigung, zumeist in Form von Sauerstoffmangel bei der Geburt
⢠Fehlbildungen des Hirngewebes (zum Beispiel eine fokale kortikale Dysplasie)
⢠Hirntumoren
⢠Schädelhirntraumata bei Unfällen
⢠Entzßndung des Gehirns (Enzephalitis)
⢠Herpesviren
⢠Meningokokken
⢠Masern
⢠Hepatitis C
⢠FSME-Virus (Zecken-Enzephalitis)
⢠Lyme-Borreliose (auch durch Zecken ßbertragen)
⢠Brucellose (Ăbertragung durch diverse Vektoren sowie tierische Lebensmittel)cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]
⢠Autoimmunerkrankungen des Gehirns
⢠Stoffwechselerkrankungen, darunter
⢠Hyperparathyreoidismus mit Anstieg der Calciumkonzentration im Blut
⢠Hämochromatose mit Eisenablagerungen u. a. im Gehirn
⢠Eklampsie
Ursachen von Gelegenheitsanfällen:
⢠Fieber (Fieberkrämpfe bei Kindern)
⢠exzessive kÜrperliche Anstrengung
⢠Flickerlicht mit Stroboskopeffekt, z. B. in Diskotheken
⢠Rauschdrogen, z. B.:
⢠(beginnender) Alkoholentzug
⢠MDMA
⢠Kokain
⢠Amphetamincite-ref-9[9]
⢠Psychopharmaka, z. B.:
⢠Amitryptilin
Pathophysiologie
Zum Auftreten epileptischer Anfälle tragen zum einen eine Ăbererregbarkeit von Nervenzellen, zum anderen eine abnorme gleichzeitige elektrische Aktivität von grĂśĂeren Nervenzellverbänden (neuronale Netze) bei. So nimmt man an, dass ein Ungleichgewicht von Erregung und Hemmung in diesen neuronalen Netzen epileptische Anfälle entstehen lässt.
Verstärkte Erregung oder verminderte Hemmung kĂśnnen sowohl durch Veränderungen in den Membraneigenschaften der Nervenzellen als auch in der ErregungsĂźbertragung von Nervenzelle zu Nervenzelle durch die Ăberträgersubstanzen (Neurotransmitter) bewirkt werden. So kĂśnnen sich Defekte in den Ionenkanälen fĂźr Natrium- und Calciumionen an der Entstehung und Ausbreitung von Anfallsentladungen beteiligen. Als erregende Neurotransmitter sind die Aminosäuren Glutamat und Aspartat beteiligt, die Ăźber eine Bindung an NMDA- oder AMPA-Rezeptoren Ionenkanäle Ăśffnen. Gamma-Aminobuttersäure (GABA) stellt als hemmender Ăberträgerstoff sozusagen den Gegenspieler dar. Defekte in der Biosynthese, gesteigerter Abbau oder Hemmung der Rezeptoren (GABA-Rezeptoren) kĂśnnen ebenfalls zum Anfallsgeschehen beitragen. Elektrolytungleichgewichte aufgrund fortgesetzter Erregung hemmender GABA-verwendender Synapsen kĂśnnen diese zu erregenden Synapsen machen (Kandel, 2001). Die zentral hemmende Wirkung einiger Neuropeptide, wie beispielsweise Neuropeptid Y und Galanin, wird als kĂśrpereigener Mechanismus der VerhĂźtung epileptischer Krämpfe diskutiert.
Die Mechanismen, die dazu fĂźhren, dass aus einzelnen Anfällen eine Epilepsie entsteht, sind weitaus komplexer und noch unbekannt. Da die Mehrzahl der Anfälle Einzelereignisse bleiben, scheinen sie nicht zwangsläufig epilepsieauslĂśsende Veränderungen zu verursachen. Allerdings hat das tierexperimentelle Modell des Kindling auch die Vorstellung zur Entstehung von Epilepsien beim Menschen geprägt. Unter Kindling versteht man einen dynamischen Vorgang, bei dem die wiederholte Anwendung elektrischer Reize, die zunächst noch nicht ausreichen, einen Anfall hervorzurufen, eine zunehmende Verstärkung der Anfallsbereitschaft hervorrufen, bis schlieĂlich Anfälle auftreten. AnschlieĂend bleibt die erhĂśhte Empfindlichkeit gegenĂźber dem Reiz bestehen.
Genetische Befunde bei Epilepsien
In einigen wenigen Fällen wurde durch Stammbäume und molekulargenetische Untersuchungen nicht nur ein Vererbungsmodus, sondern sogar ein Genort fĂźr die mutierten Gene festgestellt. Einen Ăberblick gibt die Tabelle. Als veränderte Genprodukte konnten zum Beispiel spannungsabhängige Kanäle fĂźr Natrium-Ionen oder Rezeptoren von Neurotransmittern identifiziert werden.cite-ref-pmid23468209-10-0[10]
| Epilepsie | Erbgang | Genort | Gen |
|---|---|---|---|
| benigne familiäre neonatale Krampfanfälle | autosomal dominant | 20q 8q24 | KCNQ2 KCNQ3 |
| benigne familiäre infantile Krampfanfälle | autosomal dominant | 19q13 | CHRNA4 |
| Absenceepilepsie des Kindesalters | komplex | 8q24 | CLN8 |
| juvenile myoklonische Epilepsie | komplex | 15q4 6p | ? CHRNA7 n. b. |
| nordisches Epilepsiesyndrom | autosomal rezessiv | 8pter-p22 | CLN8 |
| generalisierte Epilepsie mit Fieberkrämpfen plus (GEFS+) | autosomal dominant | 19q13 | SCN1B |
| benigne fokale Epilepsie mit zentro-temporalen Spikes | komplex | 15q14 | n. b. |
| autosomal dominante nächtliche Frontallappenepilepsie | autosomal dominant | 20q13.2 15q24 | CHRNA4 ? CHRNA3 / CHRNA5 / CHRNA5 |
| familiäre Temporallappenepilepsie | autosomal dominant | 10q22-q24 | LGI1 |
AuĂerdem kĂśnnen Epilepsien auch bei Krankheiten auftreten, denen eine Veränderung des Erbgutes zu Grunde liegt, bei denen das Anfallsleiden aber nur ein Symptom der Erkrankung ist. Beispiele hierfĂźr sind die tuberĂśse Sklerose oder das Angelman-Syndrom.
Einteilung der Anfallsformen
Epileptische Anfälle kĂśnnen sehr verschieden ablaufen. Die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) beschloss in den 1960er Jahren erstmals, eine einheitliche Klassifikation der Anfälle sowie der Epilepsien und Epilepsie-Syndrome zu erstellen. Die 1970 verĂśffentlichte erste Fassung der Anfallsklassifikationcite-ref-11[11] wurde 1981 revidiert,cite-ref-12[12] die nächste Ăberarbeitung erfolgte erst 2017cite-ref-13[13] zusammen mit einer Erläuterung zu ihrer Benutzung.cite-ref-14[14] Weil es einige Jahre dauern wird, bis sich die letzte Revision allgemein durchgesetzt hat, werden die Einteilungen von 1981 und 2017 hier noch nacheinander vorgestellt. In beiden wird grundsätzlich zwischen fokalen oder Herdanfällen und sogenannten generalisierten Anfällen unterschieden. Mit âgeneralisiertâ ist dabei gemeint, dass beide Hälften des Gehirns am Anfall beteiligt sind, was man entweder an seinem Ablauf, einem während des Anfalls aufgezeichneten EEG oder an beidem erkennen kann. Es ist nicht ungewĂśhnlich, dass bei einer Epilepsie mehrere Anfallsformen auftreten, seien es mehrere fokale, mehrere generalisierte oder auch fokale und auch generalisierte.
Klassifikation der Anfallsformen von 1981
Fokale Anfälle
Andere AusdrĂźcke fĂźr einen fokalen epileptischen Anfall sind Herdanfall oder frĂźher auch partieller Anfall (letztere Bezeichnung wurde verlassen, weil sie häufiger zu dem Missverständnis eines âteilweisenâ Anfalls Anlass gab). Diese Anfallsform ist dadurch gekennzeichnet, dass sie in einer umschriebenen Region einer GroĂhirnhälfte beginnt und sich entsprechend bemerkbar macht.
Dabei ist es gleich, ob es im weiteren Verlauf (sekundär) zu einer Ausbreitung auf beide Gehirnhälften kommt (= sekundäre Generalisierung). Insbesondere ein Anfallsbeginn mit einer Aura hat einen hohen Aussagewert darßber, in welcher Hirnregion der Anfall seinen Ursprung hat, denn sie ist das Ergebnis einer umschriebenen Aktivierung von Nervenzellverbänden.
Unterteilung:
⢠einfache fokale Anfälle (das Bewusstsein ist erhalten)
⢠komplexe fokale Anfälle (mit BewusstseinsstÜrung)
⢠fokale Anfälle mit Entwicklung zu sekundär generalisierten Anfällen
Generalisierte Anfälle
Ein Anfall wird als generalisiert bezeichnet, wenn der Verlauf und die Symptome keine Hinweise auf eine anatomisch begrenzte Lokalisation geben und keine Zeichen eines lokalen (herdfĂśrmigen) Beginns zu erkennen sind.
Unterteilung:
⢠Absencen â Anfälle mit kurzer, nur Sekunden dauerndercite-ref-15[15] Bewusstseinspause ohne Sturz, frĂźher auch franzĂśsisch als Petit-mal bezeichnet.
⢠myoklonische Anfälle â mit einzelnen oder unregelmäĂig wiederholten Zuckungen einzelner Muskelgruppen
⢠klonische Anfälle
⢠tonische Anfälle
⢠tonisch-klonische Anfälle â der typische âgroĂeâ Anfall mit Bewusstseinsverlust, Sturz, Verkrampfung und anschlieĂend rhythmischen Zuckungen beider Arme und Beine, frĂźher auch Konvulsion oder franzĂśsisch Grand-mal genannt.
⢠atonische (astatische) Anfälle
â siehe auch den Abschnitt Generalisierte Epilepsien und Syndrome
Nicht klassifizierbare epileptische Anfälle
⢠Anfälle, die auf Grund unzureichender oder unvollständiger Daten nicht klassifiziert werden kÜnnen oder bei denen eine Zuordnung nicht mÜglich ist.
Klassifikation der Anfallsformen von 2017
Die neue Klassifikation unterscheidet zwischen Anfällen mit fokalem, generalisiertem und unbekanntem Beginn, dabei jeweils mit den beiden Untergruppen motorisch (= mit BewegungsstĂśrungen) und nicht-motorisch (= ohne BewegungsstĂśrungen) und bei den fokal beginnenden Anfällen der zusätzlichen Angabe, ob eine StĂśrung des Bewusstseins vorliegt oder nicht. Dabei gibt es fĂźr das im Englischen anstelle consciousness benutzte Wort awareness keine adäquate Ăbersetzung.
Anfälle mit fokalem Beginn
Zunächst ist (bei allen Formen fokaler Anfälle) festzuhalten, ob sie mit einer BewusstseinsstÜrung einhergehen oder nicht.
Unterteilung:
⢠fokale Anfälle mit motorischen StÜrungen zu Beginn:
⢠Automatismen
⢠atonische Anfälle
⢠klonische Anfälle
⢠epileptische Spasmen
⢠hyperkinetische Anfälle
⢠myoklonische Anfälle
⢠tonische Anfälle
⢠fokale Anfälle ohne motorische StÜrungen zu Beginn:
⢠autonome Anfälle
⢠Arrest-Anfälle
⢠kognitive Anfälle
⢠emotionale Anfälle
⢠sensorische Anfälle
⢠fokale Anfälle mit Entwicklung zu bilateral tonisch-klonischen Anfällen (ersetzt âsekundär generalisierte Anfälleâ)
Anfälle mit generalisiertem Beginn
Wie bei den Anfällen mit fokalem Beginn wird unterschieden, ob es sich um Anfälle mit oder ohne motorische StÜrungen handelt.
⢠generalisiert beginnende Anfälle mit motorischen StÜrungen:
⢠tonisch-klonische Anfälle
⢠klonische Anfälle
⢠tonische Anfälle
⢠myoklonische Anfälle
⢠myoklonisch-tonisch-klonische Anfälle
⢠myoklonisch-atonische Anfälle
⢠atonische Anfälle
⢠epileptische Spasmen
⢠generalisiert beginnende Anfälle ohne motorische StÜrungen (Absencen):
⢠typische Absencen
⢠atypische Absencen
⢠myoklonische Absencen
⢠Absencen mit Lidmyoklonien
Anfälle mit unbekanntem Beginn
Wie bei den anderen Anfallsformen wird unterschieden, ob es sich um Anfälle mit oder ohne motorische StÜrungen handelt. Darßber hinaus gehÜren auch nicht klassifizierbare Anfälle in diese Gruppe.
⢠Anfälle mit motorischen StÜrungen:
⢠tonisch-klonische Anfälle
⢠andere Anfälle
⢠Anfälle ohne motorische StÜrungen
⢠Nicht klassifizierbare Anfälle
Besondere Anfallsformen
Gelegenheitsanfälle
Gelegenheitsanfälle (Oligoepilepsie), die nach einem Vorschlag der Internationalen Liga von 2010 auch als akute symptomatische Anfälle bezeichnet werden,cite-ref-16[16] sind erfahrungsgemäà nicht nur bei einer Epilepsie oder genetischer Disposition zu einer Epilepsie wahrscheinlich. Sie sind epileptische Anfälle, die aufgrund auĂergewĂśhnlicher Umstände oder Bedingungen auftreten (provozierte epileptische Anfälle), wie
⢠Fieberkrämpfe,
⢠traumatische (z. B. Schädel-Hirn-Trauma oder Operationen am Gehirn) oder nichttraumatische Hirnschädigungen (z. B. Schlaganfall) innerhalb der letzten Woche,
⢠Autoimmunerkrankungen des Gehirns, wie etwa Multiple Sklerose, oder Infektionen innerhalb der âakuten Phaseâ,
⢠Diagnosestellungen (i. d. R. durch Laborbefunde) innerhalb der letzten 24 Stunden einer metabolischen Entgleisung, toxischen Hirnschädigung oder systemischen Erkrankung mit spezifischen biochemischen oder hämatologischen Veränderungen, wie
⢠ein zu geringer (weniger als 36 mg/dlâ2 mmol/l) Blutzuckerspiegel oder zu hoher Blutzuckerspiegel (mehr als 450 mg/dlâ25 mmol/l) in Verbindung mit einer Ketoazidose (unabhängig von einem bekannten Diabetes mellitus),
⢠eine Hyponatriämie, mit einer Natriumionen-Konzentration unter 115 mg/dl,
⢠eine Hypokalziämie, mit einem Calciumionen-Konzentration unter 5,0 mg/dl,
⢠eine Hypomagnesiämie, mit einer Magnesiumionen-Konzentration unter 0,8 mg/dl,
⢠eine Harnstoffstickstoffkonzentration ßber 100 mg/dl,
⢠eine Serumkreatinin-Konzentration ßber 10,0 mg/dl,
⢠akute Alkohol- oder Drogenintoxikationen,
⢠Alkoholentzßge (bei bekanntem Abusus innerhalb von 48 Stunden; bei negativer Anamnese keine feste Begrenzung) oder Drogenentzßge,
⢠akute Expositionen gegenßber bekannterweise epileptogenen Stoffen (wie Crack, Kokain, Glutarimid, Meperidin, Normeperidin oder Methaqualon) oder
⢠akute fieberhafte Infekte von Kindern mit einer minimalen rektalen Temperatur von 38,5 °C.
Diese Anfälle begrßnden auch bei wiederholtem Auftreten nicht die Diagnose einer Epilepsie.cite-ref-pmid15816939-17-0[17]
Isolierte Anfälle
Einzelne epileptische Anfälle ohne erkennbare Provokation (âunprovozierteâ Anfälle) fallen entsprechend der ILAE-Klassifikation nicht unter die Gelegenheitsanfälle oder akuten symptomatischen Anfälle. Definitionsgemäà liegt hierbei aber ebenfalls noch keine Epilepsie vor, sofern keine Hinweise auf ein hohes Wiederholungsrisiko bestehen.
Aura
Der Begriff Aura stammt aus dem Griechischen und bedeutet die âWahrnehmung eines Lufthauchesâ. Man kĂśnnte sie auch mit einem âunbestimmten VorgefĂźhlâ umschreiben. Wenn die Aura isoliert bleibt, kann sie das einzige â subjektive â Symptom eines einfach fokalen Anfalls darstellen. Sie ist das Ergebnis einer epileptischen Aktivierung der Nervenzellen einer umschriebenen Hirnregion. Aufgrund der funktionellen Zuordnung der Symptome zu den entsprechenden Arealen der Hirnrinde kommt ihnen eine hohe Bedeutung in der Lokalisationsdiagnostik von epilepsieauslĂśsenden Herden zu. Breitet sich die epileptische Aktivität aus, kann ein sogenannter sekundär generalisierter Anfall folgen.
Beispiele fĂźr Auren sind die sogenannte epigastrische oder viszerale Aura, ein Aufsteigen unbestimmt unangenehmer GefĂźhle aus der Magengegend, als häufigste Aura bei Schläfenlappenepilepsie (Temporallappenepilepsie), âTaubheitsgefĂźhle, Kribbeln oder Nadelsticheâ als Aura bei Scheitellappenepilepsie (Parietallappenepilepsie) oder âvisuelle Halluzinationenâ bei Hinterhauptslappenepilepsie (Okzipitallappenepilepsie). Andere Beispiele fĂźr eine Aura kĂśnnen Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit und das nicht mehr richtige Wahrnehmen der Umgebung sein.
Status epilepticus
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Hauptartikel
:
Status epilepticus
Die meisten epileptischen Anfälle enden nach wenigen Minuten von selbst, und der Betroffene erholt sich auch ohne therapeutische MaĂnahmen. Man kann sich aber nicht darauf verlassen.
Wenn mehrere Anfälle kurz hintereinander als Serie erfolgen, ohne dass der Betroffene sich dazwischen wieder vollständig erholen konnte, und im Falle von mehr als fĂźnf Minuten anhaltenden Anfällen, auch ohne Bewusstlosigkeit, liegt ein Status epilepticus vor. Je länger so ein Zustand anhält, desto grĂśĂer ist insbesondere beim Grand mal die Gefahr einer irreversiblen Schädigung des Gehirns oder je nach Anfallsform auch die eines tĂśdlichen Verlaufes.
Einteilung der Epilepsien
Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 10Vorlage:Infobox ICD/Wartung/Para 05
Wie bei den Formen epileptischer Anfälle hat die Internationale Liga gegen Epilepsie (ILAE) in den 1960er Jahren erstmals beschlossen, eine einheitliche Klassifikation der Epilepsien und Epilepsie-Syndrome zu erstellen. Die 1985 verĂśffentlichte erste Fassung der Epilepsieklassifikationcite-ref-18[18] wurde 1989 revidiert.cite-ref-19[19] Die nächste Ăberarbeitung erfolgte erst 2017.cite-ref-20[20] Weil es einige Jahre dauern wird, bis sich die letzte Revision allgemein durchgesetzt hat, werden die Einteilungen von 1989 und 2017 hier noch miteinander vorgestellt. In beiden wird grundsätzlich zwischen fokalen und sogenannten generalisierten Epilepsien unterschieden.
Klassifikation der Epilepsien von 1989
Lokalisationsbezogene Epilepsien und Syndrome
Bei dieser Form der Epilepsien â auch fokale, lokale, partielle oder herdfĂśrmige Epilepsie genannt â beschränkt sich die anfallsartige Entladung zumindest zu Beginn der Anfälle auf eine begrenzte Region der Hirnrinde, sie geht von einem Herd oder Fokus aus. Im Verlauf kann sich die Anfallsaktivität aber auch ausbreiten und schlieĂlich die gesamte Hirnrinde erfassen. Dann spricht man auch von einem sekundär generalisierten Anfallsleiden.
Gutartige Epilepsie des Kindesalters mit zentro-temporalen Spikes
â
Hauptartikel
:
Rolando-Epilepsie
Diese Anfallsart wird auch Rolandi-Epilepsie oder Rolando-Epilepsie genannt. Sie ist durch schlafgebundene Anfälle mit tonischer Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur, vermehrtem Speichelfluss und der Unfähigkeit zu sprachlichen ĂuĂerungen verbunden. Die SprechstĂśrung kann auch nach Abklingen der Verkrampfung noch einige Minuten fortbestehen, was ein wegweisendes Symptom darstellt. Der Beginn liegt zwischen dem zweiten und zwĂślften Lebensjahr mit einem Erkrankungsgipfel zwischen dem fĂźnften und neunten Lebensjahr. Im EEG finden sich typische Veränderungen, sogenannte zentro-temporale Sharp waves. Das âGutartigeâ an diesen Epilepsien bezieht sich darauf, dass sie mit Abschluss der Pubertät ausheilen. Mit etwa 10â15 Prozent aller Epilepsien im Kindesalter stellen diese Epilepsien die häufigste Anfallsart im Kindesalter dar.
Epilepsie des Kindesalters mit occipitalen Paroxysmen
Diese Epilepsie (1981 erstmals von Henri Gastaut beschrieben) ist wesentlich seltener als die zuvor beschriebene. Sie ist durch Anfälle mit visuellen Symptomen, gefolgt von motorischen oder psychomotorischen Manifestationen charakterisiert. Das Elektroenzephalogramm (EEG) zeigt wiederholte epilepsietypische Entladungen in der Region des Hinterhauptlappens. Die betroffenen Kinder seien sonst normal entwickelt und die Anfälle wßrden im Erwachsenenalter verschwinden.
Leseepilepsie
Bei dieser Form einer Reflexepilepsie werden die Anfälle durch â besonders lautes â Lesen ausgelĂśst. Auch andere sprachliche Aktivitäten kĂśnnen Anfälle auslĂśsen. Diese äuĂern sich in Verkrampfungen der Kaumuskulatur und manchmal auch der Arme. Wenn der Reiz nicht unterbrochen wird, kĂśnnen sie sich auch zu generalisierten Anfällen ausweiten. Es besteht eine starke genetische Komponente. Im Elektroenzephalogramm (EEG) finden sich epilepsietypische Veränderungen bevorzugt der linken Scheitel-Schläfenregion. Der Verlauf ist gutartig. Die Vermeidung der spezifischen AuslĂśsereize ist die Behandlung der Wahl. Falls notwendig, ist auch eine medikamentĂśse Therapie mĂśglich. Sofern nur durch Lesen ausgelĂśste Anfälle auftreten, wird auch von einer primären Leseepilepsie gesprochen, treten wie z. B. bei einer juvenilen myklonischen Epilepsie auch sonstige Anfallsformen, von einer sekundären Leseepilepsie.
Symptomatische Epilepsien
Bei symptomatischen Epilepsien stellen die Anfälle Symptome einer zugrundeliegenden Hirnschädigung dar. Diese Kategorie umfasst sehr unterschiedliche Krankheiten, deren Einordnung auf der anatomischen Lokalisation und den damit verbundenen Anfallsmerkmalen sowie anderen klinischen Merkmalen beruht.
Andauernde fokale Epilepsie des Kindesalters
Diese in der Fachsprache Epilepsia partialis continua oder âKoschewnikow-Epilepsieâ genannte Form der Epilepsie besteht in Zuckungen einer KĂśrperregion, die stunden- bis monatelang anhalten kĂśnnen. Durch gelegentliche Ausbreitung kĂśnnen sekundär andere Anfallsformen hinzutreten. Sie tritt in Assoziation mit unterschiedlichen Hirnschädigungen (unter anderem DurchblutungsstĂśrungen, Neubildungen, Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel unter der Geburt) auf. Die Zuckungen einzelner Muskeln sind therapieresistent. In manchen speziellen Fällen kĂśnnen epilepsiechirurgische MaĂnahmen die Anfälle reduzieren.
Schläfenlappenepilepsie
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Hauptartikel
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Temporallappenepilepsie
Bei dieser Form der Epilepsie (Temporallappenepilepsie oder frĂźher auch Psychomotorische Epilepsie) haben die Anfälle ihren Ursprung in definierten anatomischen Strukturen des Schläfenlappens, dem Hippocampus, der Windung um den Hippocampus herum und dem Mandelkern. Sie stellt mit etwa 30 Prozent die häufigste Form der anatomisch klassifizierbaren lokalisationsbezogenen Epilepsien dar. Neuropathologisches Korrelat ist in der Ăźberwiegenden Zahl der Fälle eine Hippokampussklerose oder mesiale temporale Sklerose. Die Anfälle sind charakterisiert durch meist viszerale Auren mit Aufsteigen unangenehmer GefĂźhle aus der Magengegend. Sie werden meist gefolgt von fokalen Anfällen mit Bewusstseinsverlust, die sich in schmatzend-kauenden Mundbewegungen äuĂern â welche die Reaktion der Patienten auf einen oft von ihnen beschriebenen âseltsamen Geschmackâ im Mund sind â, gefolgt von sich wiederholenden Handbewegungen, dann Umherschauen und schlieĂlich Bewegungen des ganzen KĂśrpers (Automatismen). Die medikamentĂśse Therapie ist bei Temporallappenepilepsien insofern schwierig, nur etwa ein Viertel der Patienten wird anfallsfrei, bei einem weiteren Drittel wird zumindest eine Abnahme der Anfallshäufigkeit erreicht. In therapieresistenten Fällen stellt auch hier die Epilepsiechirurgie eine MĂśglichkeit dar. Sonderformen der Temporallappenepilepsie sind u. a. die transiente epileptische Amnesie (TEA) und die musikogene Epilepsie.
Stirnlappenepilepsie
In der Fachsprache heiĂt diese Epilepsie Frontallappenepilepsie. Entsprechend den vielfältigen Funktionsbereichen des Stirnlappens sind die von ihm ausgehenden Anfälle in ihrem Erscheinungsbild sehr vielgestaltig. Es treten gewĂśhnlich kurz dauernde, vorwiegend schlafgebundene fokale klonische oder asymmetrisch tonische Anfälle, aber auch komplex ausgestaltete Automatismen bis hin zu SprachäuĂerungen auf. Eine nur minimale oder ganz fehlende Verwirrtheit nach dem Anfall spricht ebenfalls fĂźr einen Ursprung im Frontallappen. Therapeutisch kommt auch bei den Frontallappenepilepsien nach einer medikamentĂśsen Therapie die Epilepsiechirurgie in Frage, wenn eine definierte Läsion gefunden und ohne nachteilige Folgen entfernt werden kann.
Scheitellappenepilepsie
Ihren Ursprung haben diese herdfĂśrmigen Anfälle im Parietallappen. Charakteristisch fĂźr diese Form der Epilepsien sind so genannte sensible Herdanfälle, die sich in Missempfindungen in Form von TaubheitsgefĂźhl, Kribbeln oder Nadelstichen äuĂern. Eher selten kommt auch anfallsartiger brennender Schmerz, auch als Bauchschmerz oder Kopfschmerz oder einer ganzen KĂśrperhälfte vor. Die Therapie entspricht der bei den anderen symptomatischen fokalen Epilepsien. Liegt eine umschriebene Schädigung des Scheitellappens als Ursache vor, sind die Ergebnisse eines epilepsiechirurgischen Vorgehens gut.
Hinterhauptslappenepilepsie
Die Hinterhauptslappenepilepsie (Okzipitallappenepilepsie) stellt mit 5â10 Prozent aller symptomatischen fokalen Epilepsien die seltenste Form dar. Sie entspringen dem Hinterhauptslappen, wo auch die Sehrinde liegt. Typischerweise gehen die Anfälle mit visuellen Halluzinationen in Form anhaltender oder blitzender Flecken oder einfacher geometrischer Figuren, vorĂźbergehender Erblindung und seltener tonischen oder klonischen Augenbewegungen einher.
Kryptogen
Epilepsiesyndrome mit herdfÜrmigen Anfällen, fßr die keinerlei Ursache gefunden wird, werden als kryptogen kategorisiert.
Generalisierte Epilepsien und Syndrome
Bei generalisierten Anfällen ist von Anfang an die gesamte Hirnrinde von der elektrischen Anfallsaktivität betroffen. Diese Anfallsformen gehen daher im Regelfall mit einem Bewusstseinsverlust einher (Ausnahme ist die juvenile myoklonische Epilepsie). Sie werden nochmals in sogenannte kleine (franzĂśsisch Petit-mal âkleines Ăbelâ) und groĂe (franzĂśsisch Grand mal âgroĂes Ăbelâ) Anfälle unterschieden.
Idiopathisch
Der Begriff idiopathisch wird in Verbindung mit Krankheiten genutzt, die selbstständig entstehen. Bei der kryptogenen Epilepsie existiert keine bekannte, beweisbare Ursache im Sinne einer Entstehung durch äuĂere EinflĂźsse (Umweltfaktoren), sondern vermutlich oder auch bereits nachgewiesenermaĂen sind sie anlagebedingt (erblich) oder eine andere vermutete Grunderkrankung.
Benigne familiäre Neugeborenenkrämpfe
Hierbei handelt sich um ein gutartiges (benignes), seltenes, aber gut definiertes autosomal dominant vererbtes Krankheitsbild. Es wurden zwei Loci auf Chromosom 20 und auf Chromosom 8 identifiziert. Ein weiterer, noch nicht identifizierter existiert. Betroffen sind reifgeborene Neugeborene, die am zweiten oder dritten Lebenstag eine bis drei Minuten andauernde Anfälle mit Atemstillständen (Apnoen), Augenbewegungen sowie tonischen und klonischen ĂuĂerungen zeigen. Die Anfälle hĂśren im Lauf der ersten sechs Lebensmonate auf. Die Kinder entwickeln sich altersentsprechend.
Benigne Neugeborenenkrämpfe
Dies ist eine sporadisch auftretende, nicht erblich bedingte Form von Krampfanfällen im Neugeborenenalter, die typischerweise am fĂźnften Lebenstag (englisch fifth-day-fits, Spannweite 3.â7. Lebenstag) auftreten. Sie äuĂern sich in klonischen Zuckungen und Atemstillständen, nie in tonischen Anfällen. Sie sind durch Medikamente kaum zu beeinflussen, hĂśren aber spontan wieder auf. Die Prognose ist gut.
Benigne myoklonische Epilepsie des Kleinkindalters
Die benigne myoklonische Epilepsie des Kleinkindalters stellt mit etwa 0,2 Prozent aller Epilepsien im Kindesalter eine seltene Erkrankung dar. Es wird vermutet, dass es sich um eine frĂźhe Verlaufsform der juvenilen myoklonischen Epilepsie handelt. Sie tritt im Alter zwischen vier Monaten und vier Jahren bei normal entwickelten Kindern auf und äuĂert sich ausschlieĂlich in kurzen generalisierten Myoklonien. Sie spricht gut auf eine medikamentĂśse Therapie an und hat eine gute Prognose.
Absence-Epilepsie des Kindesalters
Eine im deutschen Sprachraum noch benutzte andere Bezeichnung fßr diese Epilepsie ist Pyknolepsie. Die Absencen-Epilepsie ist die häufigste Form einer idiopathischen generalisierten Epilepsie im Kindesalter. Diese Epilepsieform ist durch typische, fßnf bis fßnfzehn Sekunden andauernde Abwesenheitszustände (Absencen) gekennzeichnet. Sie treten täglich einige Male bis mehrere hundert Male mit Bewusstseinsverlust und Erinnerungslßcken auf und beginnen vor der Pubertät bei sonst unauffälligen Kindern. Im Verlauf kÜnnen Grand-mal-Anfälle folgen. Familiäre Häufung, Zwillingsstudien und die Assoziation mit einem Genort auf Chromosom 8 weisen auf eine genetische Ursache des Syndroms hin. Die Diagnose wird durch typische Anfallsmuster im Elektro-Enzephalogramm (EEG) gestßtzt (3/s-Spike-Wave-Komplexe). Die Absencen lassen sich relativ gut medikamentÜs (Ethosuximid, Lamotrigin) behandeln. Diese Epilepsie hat eine gute Prognose mit einem Rezidivrisiko von 20 Prozent.
Juvenile Absence-Epilepsie
Im Gegensatz zur vorherigen Epilepsieform ist dieses Krankheitsbild auch als nicht-pyknoleptische Absencen bekannt. Die juvenile Absence-Epilepsie gehÜrt ebenfalls zu den erblich bedingten generalisierten Epilepsien mit altersgebundener Manifestation. Der Beginn fällt zumeist mit dem Beginn der Pubertät zusammen und liegt im Gipfel bei zehn bis zwÜlf Jahren. Die Anfälle gleichen denen bei der Absence-Epilepsie des Kindesalters, sind jedoch weniger häufig und dauern dafßr etwas länger an. Etwa 80 Prozent der Patienten haben zusätzlich generalisierte, tonisch-klonische Anfälle (Grand mal), meist nach dem Aufwachen. Die medikamentÜse Therapie ist nicht ganz so erfolgversprechend wie bei der Pyknolepsie und dementsprechend die Prognose etwas kritischer.
Juvenile myoklonische Epilepsie (Janz-Syndrom)
Die juvenile myoklonische Epilepsie (JME, Janz-Syndrom), im deutschsprachigen Raum manchmal auch Impulsiv-Petit-mal-Epilepsie genannt, ist zum Teil erblich bedingt und manifestiert sich vor allem im Jugend und Adoleszentenalter (12â20 Jahre). Die myoklonischen Anfälle zeigen sich in plĂśtzlichen, kurzen, meist bilateral symmetrischen Muskelzuckungen der Schultern und Arme, die vom Patienten bewusst als âein elektrischer Schlagâ wahrgenommen werden. Sie treten einzeln oder unregelmäĂig wiederholt vor allem in den Morgenstunden auf und sind von stark wechselnder Stärke. Das Bewusstsein bleibt bei dieser Form von Anfällen erhalten. Bei bis zu 95 Prozent der Patienten kommt es im weiteren Verlauf der Krankheit nach Monaten bis Jahren zudem zu generalisiert tonisch-klonischen Anfällen.cite-ref-21[21] Weniger häufig (15â40 Prozent der Patienten) treten Absencen auf. Neben der pharmakologischen Therapie muss die Vermeidung oder Reduktion von anfallsauslĂśsenden Faktoren (ErmĂźdung/Schlafentzug, Alkoholgenuss) gewährleistet sein.
Aufwach-Grand-mal-Epilepsie
Diese ebenfalls zu den genetisch bedingten Epilepsien gehĂśrende Form manifestiert sich mit einem Häufigkeitsgipfel um das 17. Lebensjahr (Spannweite 14 bis 24). Es treten generalisierte tonisch-klonische Krampfanfälle ohne Aura ausschlieĂlich oder Ăźberwiegend in den ersten Stunden nach dem Aufwachen auf, seltener auch im Anschluss an die aktive Tagesphase bei Entspannung als âFeierabend-Grand-malâ. Neben der Vermeidung von AuslĂśsefaktoren grĂźndet sich die Therapie auf die Gabe eines anfallsdämpfenden Medikaments (unter anderem Valproinsäure). Die Prognose ist umso gĂźnstiger, je jĂźnger die Patienten bei Erkrankungsbeginn sind.
Epilepsien mit spezifisch ausgelÜsten Anfällen
Bei diesen Epilepsien werden tonisch-klonische Anfälle als Antwort auf spezifische, gut abgrenzbare Reize ausgelĂśst. Daher heiĂen sie auch Reflexepilepsien. Sie sind Ăźberwiegend idiopathisch. In seltenen Fällen von symptomatischen Reflexepilepsien treten auch fokale Anfälle auf. Zu den auslĂśsenden Reizen gehĂśren Ăźberwiegend Flickerlicht und andere visuelle Reize (siehe Photosensibilität). Diese seltene Form der Epilepsie liegt vor, wenn Anfälle durch Fernsehen oder Videospiele ausgelĂśst werden. Bildschirme kĂśnnen durch Hell-Dunkel-Wechsel, durch wechselnde Farbkombinationen und durch Muster bei empfänglichen Menschen epileptische Anfälle provozieren. Durch sehr schnelle Farb- und Hell-Dunkel-Wechsel lĂśste 1997 in Japan die Episode DennĹ Senshi Porygon der Kindersendung PokĂŠmon bei Ăźber 600 Zuschauern ohne epileptische Vorgeschichte, zumeist Kindern, epileptische Reaktionen aus, so dass 200 von ihnen im Krankenhaus Ăźbernachten mussten. Ăhnliche Wirkungen sind bei Computerspielen mĂśglich. In vielen HandbĂźchern zu Computerspielen findet sich daher an prominenter Stelle eine entsprechende Warnung. Eine weitere Form der Reflexepilepsie sind sogenannte Startle-Anfälle, auch Schreck-Anfälle, bei denen z. B. plĂśtzliche Geräusche oder unerwartete BerĂźhrungen einen meist tonischen oder sekundär generalisierten tonisch-klonischen Reflexanfall auslĂśsen kĂśnnen.cite-ref-22[22]
Kryptogen oder symptomatisch
West-Syndrom
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Hauptartikel
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West-Syndrom
Beim West-Syndrom, im deutschsprachigen Raum manchmal auch noch Epilepsie mit Blitz-, Nick-, Salaam-Krämpfen (BNS-Epilepsie) genannt, handelt es sich um eine altersgebunden auftretende Epilepsie, die fast immer im Säuglingsalter mit Serien von 2 bis 150 kurzdauernden Anfällen beginnt und mit einem typischen Muster im Elektro-Enzephalogramm (EEG), der sogenannten Hypsarrhythmie einhergeht. Die Prognose ist insbesondere hinsichtlich der kognitiven Entwicklung auch bei erfolgreicher medikamentÜser Therapie meist ungßnstig, wobei dies in der Regel auf bestehende hirnorganische Schädigungen zurßckzufßhren ist und nicht auf die epileptischen Anfälle selbst.
Lennox-Gastaut-Syndrom
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Lennox-Gastaut-Syndrom
Das Lennox-Gastaut-Syndrom ist eine der schwersten Epilepsien des Kindes- und Jugendalters. Es ist durch häufiges Auftreten von verschiedenen generalisierten Anfallsformen, insbesondere von tonischen Sturzanfällen charakterisiert. Es besteht meist eine Therapieresistenz und die Patienten haben meist mittelschwere bis schwere kognitive Defizite. Die Abgrenzung gegen andere Epilepsiesyndrome ist allerdings häufig schwierig.
Epilepsie mit myoklonisch astatischen Anfällen
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Doose-Syndrom
Die myoklonisch-astatische Epilepsie, auch Doose-Syndrom genannt, beginnt zumeist in den ersten fßnf Lebensjahren. Neben den namengebenden astatischen Sturzanfällen durch plÜtzlichen Verlust der Spannung der Muskulatur, meist eingeleitet von kurzen Zuckungen kÜnnen auch Absencen und generalisierte tonisch-klonische Anfälle auftreten. Die Patienten sprechen unterschiedlich gut auf die medikamentÜse Therapie an und die Prognose kann bei häufigen generalisierten tonisch-klonischen Anfällen getrßbt sein.
Epilepsie mit myoklonischen Absencen
Hierbei handelt es sich um eine spezielle Epilepsie des Kindesalters, bei der ausschlieĂlich oder Ăźberwiegend Absencen auftreten, die von stark ausgeprägten, rhythmischen und beidseitigen Zuckungen vor allem der Schultern und Arme, weniger der Beine, begleitet werden. Im Elektro-Enzephalogramm (EEG) finden sich die auch bei den Ăźbrigen Absence-Epilepsien typischen Anfallsmuster. Bei fast der Hälfte der Kinder ist schon vor Beginn der Epilepsie eine geistige EntwicklungsstĂśrung vorhanden. Da ein beträchtlicher Teil der Kinder nicht anfallsfrei wird, kommen im Verlauf der Erkrankung noch etwa ein Viertel dazu. Sprechen die Absencen jedoch rasch und anhaltend auf die Therapie an, bleibt die Intelligenz erhalten.
Symptomatisch
Diesen Epilepsien liegt eine nachgewiesene Hirnschädigung zurĂźckliegender [Zustand nach Infektion des Zentralnervensystem, Schädel-Hirn-Trauma, GefäĂerkrankung des Gehirns) oder fortschreitender (Stoffwechselerkrankungen mit Beteiligung des Zentralnervensystems, Tumoren des Zentralnervensystems (primärer Hirntumor, Hirnmetastase), chronische Infektion des Zentralnervensystems] Art zugrunde.
Epilepsien und Syndrome, die nicht als lokalisationsbezogen oder generalisiert bestimmbar sind
Neugeborenenkrämpfe
Hiervon spricht man bei streng auf die ersten vier Lebenswochen beschränkten Anfällen, die in den allermeisten Fällen auf eine Schädigung des Gehirns, zum Beispiel durch Infektion, vorßbergehenden Sauerstoffmangel oder Unterzuckerung zurßckzufßhren und somit symptomatischer Natur sind.
Dravet-Syndrom (schwere myoklonische Epilepsie des Kindesalters)
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Dravet-Syndrom
Das Dravet-Syndrom ist extrem selten. Es beginnt bei sonst gesunden Kindern im ersten Lebensjahr mit häufig wiederkehrenden, generalisierten oder halbseitigen Anfällen mit und ohne Fieber, die eher einen verlängerten Verlauf haben. Im zweiten bis dritten Lebensjahr treten einzelne oder kurze Serien (zwei bis drei Abfolgen) von Zuckungen vor allem der Rumpfmuskulatur von sehr unterschiedlicher Stärke auf. Die Therapie ist schwierig und die Prognose dementsprechend schlecht.
Epilepsie mit anhaltenden spike-wave-Entladungen im synchronisierten Schlaf
Das Besondere an diesem Epilepsiesyndrom ist das Auftreten von durchgehenden generalisierten epilepsietypischen Entladungen im Elektro-Enzephalogramm (EEG) während des gesamten sogenannten synchronisierten Schlafes. In Verbindung hiermit kommt es bei den Kindern zu einem geistigen Abbau sowie einer erheblichen Beeinträchtigung der Sprache und der zeitlichen und räumlichen Orientierung. Es treten häufige und vielfältige Anfälle (einseitige fokale motorische Anfälle, atypische Absencen, atonische Anfälle mit StĂźrzen, generalisierte tonisch-klonische Anfälle â aber nie tonische Anfälle) mit Beginn im Alter von vier Jahren (im Mittel) auf.
Aphasie-Epilepsie-Syndrom
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Landau-Kleffner-Syndrom
Das Aphasie-Epilepsie-Syndrom ist auch unter der Bezeichnung Landau-Kleffner-Syndrom bekannt. In der ILAE-Klassifikation wird dieses Syndrom von der Epilepsie mit anhaltenden spike-wave-Entladungen im synchronisierten Schlaf getrennt, obwohl vermutet wird, dass beide Syndrome wahrscheinlich nur unterschiedliche Erscheinungsformen ein und derselben Krankheit sind. Allerdings tritt hierbei bei der Mehrzahl der Fälle im Alter von drei bis acht Jahren ein Verlust der Sprachfähigkeit (Aphasie) als erstes Symptom auf. Bei etwa 40 Prozent der Kinder äuĂert sich die Erkrankung zuerst in unterschiedlichen epileptischen Anfällen. Die Prognose ist bezĂźglich der Anfälle gut, bezogen auf die Sprachfunktion aber durchaus kritisch.
Klassifikation der Epilepsien von 2017
Der vorliegende Abschnitt ist analog zu betrachten mit dem obigen Abschnitt ÂťKlassifikation der Epilepsien von 1989ÂŤ.
Komplikationen und Folgen
Epileptische Anfälle kÜnnen mit einer Reihe von Komplikationen verbunden sein, von denen die wichtigsten sind:
⢠Verletzungen oder Schädigungen, die während des Anfalles direkt durch die Muskelkontraktionen eintreten, hierzu gehÜren nicht selten Wirbelbrßche durch extreme Anspannung der Rßckenmuskulatur, Platzwunden, Schnittwunden, Risswunden, Bisswunden.
⢠Verletzungen durch anfallsbedingte Unfälle, wie zum Beispiel das Fallen von einer Leiter, Unfälle im StraĂenverkehr oder Ertrinkungsunfälle.
⢠Herzstillstand durch die ĂźbermäĂige Vagusstimulation während eines schweren Krampfanfalls.
⢠AtemstÜrung durch Verengung der Atemwege während eines langen, schweren Krampfanfalls mit Unterbrechung der Schutzreflexe.
Nach einem meist generalisierten tonisch-klonischen (Grand mal) Anfall kĂśnnen Betroffene noch fĂźr einige Zeit â dies kann bis zu mehreren Stunden dauern â in einen harmlosen tiefen Schlaf fallen (Terminalschlaf) oder einen postiktalen Dämmerzustand durchmachen.
Diagnostik
⢠An erster Stelle steht, wie bei allen anderen Erkrankungen auch, die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Bei Epilepsie-Patienten sollte hierbei neben dem familiären Auftreten von Epilepsien und anderen Erkrankungen des Nervensystems besonderes Augenmerk auf Vorerkrankungen gerichtet sein, die mÜglicherweise eine symptomatische Epilepsie verursachen. Dazu gehÜren StÜrungen und Risiken in der Schwangerschaft, Probleme unter der Geburt, die zu einem Sauerstoffmangel fßhren, Unfälle mit Schädel-Hirn-Trauma oder entzßndliche Erkrankungen des Zentralnervensystems.
⢠Darauf folgt die kÜrperliche Untersuchung insbesondere des Nervensystems mit Untersuchung von Kraft, Gefßhl (Sensibilität), Reflexen, Hirnnervenfunktion, Gleichgewicht und Koordination.
⢠Laboruntersuchungen aus dem Blut dienen zum einen dem Erkennen von mÜglichen Ursachen symptomatischer epileptischer Anfälle (wie Unterzuckerung oder Mineralstoffmangel). Zum anderen ßberwacht der behandelnde Arzt unter einer medikamentÜsen Therapie die Menge des Medikamentes im Blut (Medikamentenspiegel oder Therapiespiegel) wie auch mÜgliche Nebenwirkungen (Blutbild mit Blutplättchen, Leberenzyme, Nierenfunktion, Blutgerinnung, Calcium-Phosphat-Stoffwechsel).
⢠Durch eine Elektroenzephalographie (EEG) kann die Bereitschaft des Gehirns zu epileptischen Entladungen direkt angezeigt werden. Dazu bekommt der Patient eine Art Kappe mit Elektroden in definierten Abständen aufgesetzt, von denen Ăźber einen Wechselspannungsverstärker die elektrische Oberflächenaktivität der Hirnrinde abgeleitet wird. Zur routinemäĂigen Ableitung bei der Fragestellung nach einer Epilepsie gehĂśrt die Aktivierung mit Hyperventilation und Photostimulation. Im Rahmen der Erstdiagnostik dient das EEG vor allem der Einordnung des Anfalls bzw. der Epilepsie und der Lokalisation des Herdes bei herdfĂśrmigen Anfällen. Bei speziellen Fragestellungen kĂśnnen auch Langzeitableitungen (beispielsweise Ăźber 24 Stunden, Langzeit-EEG) oder Ableitungen mit gleichzeitiger paralleler Videoaufzeichnung des Patienten (Video-Doppelbild-EEG) durchgefĂźhrt werden.
⢠Dagegen leitet die Magnetoenzephalographie (MEG) die magnetische Aktivität des Gehirns mit hoher zeitlicher und räumlicher AuflÜsung ab. Es handelt sich hierbei aber um eine sehr aufwändige, teure und neue Methode, die vor allem der exakten Lokalisation von epilepsieauslÜsenden Hirnarealen dient.
⢠Die cerebrale Computertomographie (CCT) ist eine spezielle RÜntgenschichtuntersuchung und war das erste bildgebende Verfahren, mit dem auslÜsende grÜbere Veränderungen am Hirngewebe gefunden werden konnten. Ihre Vorteile liegen in der schnellen Verfßgbarkeit und der Wirtschaftlichkeit. Da ihre AuflÜsung der Gewebeveränderungen am Gehirn aber anderen Methoden unterlegen ist, hat sie auch wegen der mit ihr verbundenen Strahlenbelastung an Bedeutung verloren.
⢠In der Magnetresonanztomographie (MRT oder MRI) werden die Bilder durch wechselnde, starke Magnetfelder erzeugt. Die Darstellung hat eine deutlich hĂśhere AuflĂśsung und einen besseren Kontrast zwischen grauer und weiĂer Substanz. FĂźr spezielle Fragestellungen insbesondere in der prächirurgischen Diagnostik steht die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI) zur VerfĂźgung, mit der spezielle Hirnfunktionen den zugehĂśrigen Rindenarealen zugeordnet werden kann.
⢠Bei Neugeborenen und Säuglingen kÜnnen auch durch eine Ultraschalluntersuchung des Gehirns durch die offene Fontanelle Hinweise auf anatomische Abweichungen gewonnen werden.
⢠Mit Positronen-Emissionstomographie (PET), Flumazenil-PET und Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT) stehen weitere Spezialverfahren zur Verfßgung, mit denen vor allem epilepsieauslÜsende Herde genau lokalisiert und im Falle prächirurgischer Diagnostik neurologische Ausfälle durch die Operation abgeschätzt werden kÜnnen.
Differentialdiagnose
Verschiedene Krankheitszustände, die mit vorßbergehenden anfallsartigen Erscheinungen einhergehen, kÜnnen epileptischen Anfällen sehr ähnlich sein und daher mit ihnen verwechselt werden. Eine Fehldeutung solcher Zustände als Epilepsie sollte mÜglichst vermieden werden, da sie nicht nur zu einer unnÜtigen Verunsicherung der Patienten oder der AngehÜrigen, sondern darßber hinaus zu einer ßberflßssigen Behandlung mit Antiepileptika fßhrt. Umgekehrt kÜnnen echte epileptische Anfälle als nicht epileptisch verkannt werden und eine notwendige und hilfreiche Behandlung unterbleiben.cite-ref-siemes-3-2[3]
Die wichtigste Differentialdiagnose epileptischer Anfälle im Erwachsenenalter sind psychogene nicht-epileptische Anfälle.cite-ref-awmf-23-0[23] Sie werden auch dissoziative Anfälle genannt und kÜnnen epileptischen Anfällen ähnlich sehen. Eine sichere Unterscheidung ist oft nur durch eine Langzeit-Video-EEG-Aufzeichnung mÜglich. Ursächlich kann beispielsweise eine Depression, eine AngststÜrung oder eine posttraumatische BelastungsstÜrung sein. Nicht selten finden sich in der Lebensgeschichte traumatische Erlebnisse wie etwa sexueller Missbrauch. Diese Anfälle sind nicht simuliert (vorgetäuscht).
Eine wichtige Differentialdiagnose epileptischer Anfälle im Kindes- und Jugendalter â deren Auftreten aber nicht auf dieses Alter beschränkt ist â sind Synkopen durch KreislaufregulationsstĂśrungen oder HerzrhythmusstĂśrungen. Speziell im Kindesalter sind respiratorische Affektkrämpfe, Atemstillstände oder Zyanose bei RĂźckfluss von saurem Magensaft in die SpeiserĂśhre sowie der benigne paroxysmale Schwindel des Kleinkindesalters zu beachten. In diesem Alter kann auch Masturbation vor allem bei Mädchen mit plĂśtzlichen Versteifungen der Oberschenkel oder wippenden Bewegungen epileptischen Phänomenen gleichen.cite-ref-siemes-3-3[3]
Weitere seltene Differentialdiagnosen sind einfache, nur mit Aura einhergehende oder komplizierte Migräneformen, nächtliche beziehungsweise schlafbezogene episodische Ereignisse wie Nachtschreck, Schlafwandeln, Alpträume oder Narkolepsie, anfallsartige motorische Phänomene wie Tics sowie episodische psychiatrische StÜrungen wie Tagträume, Hyperventilationssyndrom, Angst- und Panikattacken oder episodische Wutanfälle.cite-ref-siemes-3-4[3]
Speziell im hÜheren Lebensalter stellen bei Anfällen aus dem Schlaf heraus REM-Schlaf-VerhaltensstÜrungen eine wichtige Differentialdiagnose dar.cite-ref-awmf-23-1[23]
Neuropsychologie in der Epilepsiediagnostik
Die neuropsychologische Diagnostik bei Epilepsiepatienten, das heiĂt die Untersuchung verschiedener kognitiver Funktionen wie etwa der Konzentration, der unmittelbaren Merkfähigkeit oder der mittelfristigen Gedächtnisleistungen, der basalen oder hĂśheren Sprachleistungen etc., erfolgt zur Beantwortung mehrerer Fragestellungen:
Während frĂźher Fragen der Lateralisation und der Lokalisation der Epilepsie im Vordergrund standen, interessieren heute infolge der groĂen Fortschritte im Bereich der strukturellen und funktionellen Bildgebung mehr Fragen der funktionellen Beeinträchtigung kognitiver Leistungen durch die Epilepsie selbst bzw. deren somatische Grundlage, unerwĂźnschte Effekte der medikamentĂśsen Behandlung oder das Risiko kognitiver EinbuĂen durch einen eventuellen epilepsiechirurgischen Eingriff. Diese Aufgaben der Neuropsychologie lassen sich letztendlich unter dem Stichwort der Qualitätskontrolle, das heiĂt der Beurteilung der Vertretbarkeit und Verträglichkeit einer gewählten Therapiemethode, recht gut zusammenfassen.
Zusätzlich beantwortet werden sollen auch Fragen nach der Alltagsrelevanz epilepsieassoziierter kognitiver StĂśrungen beispielsweise auf die schulische Leistungsfähigkeit oder den Beruf und dienen auch zur Feststellung der Notwendigkeit der DurchfĂźhrung einer rehabilitativen MaĂnahme und wiederum auch deren Validierung.
Ăblicherweise erfolgen viele Tests noch mit Papier und Stift, einige Verfahren sind heute aber auch schon als computergestĂźtzte Testverfahren erhältlich. Zusätzlich wird in den spezialisierten Zentren immer häufiger auch auf die Methode der funktionellen Bildgebung wie etwa der funktionellen Magnet-Resonanz-Tomographie zur Lateralisation der hemispheriellen Sprachdominanz zurĂźckgegriffen. Bei Unklarheiten in der Interpretation der Ergebnisse resultiert unter Umständen die Notwendigkeit zur DurchfĂźhrung des invasiven intra-carotidalen Amobarbitaltests (auch Wada-Test genannt), der Ăźber die temporäre Narkotisierung einer Hirnhemisphäre eine recht zuverlässige Aussage Ăźber die Hemisphärenlateralisierung fĂźr Sprache erlaubt. Ziel dieser Verfahren ist es, die Risiken bei einem epilepsiechirurgischen Eingriff fĂźr weitere kognitive EinbuĂen mĂśglichst gering zu halten.
Weitere Aufgaben der Neuropsychologie betreffen auch die kurz-, mittel- und langfristigen psycho-sozialen Folgen, die eine chronische Erkrankung wie Epilepsie auf das Leben der Betroffenen hat. Anhand von mehr oder weniger standardisierten FragebĂśgen und Interviews versucht man, diese Effekte zu erfassen. Letztendlich mĂźssen sich auch die unterschiedlichen Therapiemethoden an ihren Auswirkungen auf die psycho-soziale Entwicklung der Patienten bezĂźglich ihrer Wirksamkeit messen lassen.
Behandlung
Ziel der Behandlung bei Epilepsien ist die vÜllige Anfallsfreiheit mit mÜglichst wenigen oder ohne Nebenwirkungen. Bei Kindern soll durch die Therapie darßber hinaus eine unbeeinträchtigte Entwicklung gewährleistet werden. Allen Patienten soll eine Lebensform ermÜglicht werden, die den Fähigkeiten und Begabungen gerecht wird. Dabei ist zwischen der Akutbehandlung eines epileptischen Anfalls und der Dauerbehandlung zu unterscheiden. Diese Therapieziele werden in erster Linie durch eine geeignete Arzneimittelbehandlung erreicht. Mit Hilfe einer Monotherapie mit Carbamazepin, Eslicarbazepinacetat, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Valproinsäure oder einem anderen Antikonvulsivum gelingt es in circa zwei Drittel der Fälle, die Krampfanfälle zu kontrollieren. Bei den ßbrigen an Epilepsie leidenden Patienten, die traditionell als Epileptiker bezeichnet werden, spricht man von einer pharmakoresistenten Epilepsie. Der zusätzliche Einsatz weiterer Antiepileptika (Add-on-Therapie) fßhrt bei pharmakoresistenten Epileptikern (etwa 10 Prozent) zwar nur selten zur dauerhaften Anfallsfreiheit, jedoch sind Teilerfolge, wie etwa eine reduzierte Anfallsfrequenz oder mildere Anfallsformen, erzielbar.
Bei pharmakoresistenten Menschen mit Epilepsie kann geprĂźft werden, ob ein epilepsiechirurgischer Eingriff sinnvoll ist. Die Epilepsiechirurgie kann mittlerweile â bei pharmakoresistenten fokalen Epilepsien â die Epilepsie âheilenâ, wenn das epileptogene Areal im Hirn genau identifiziert werden kann und operabel ist. Die Chance auf Anfallsfreiheit durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff liegt je nach Befundkonstellation bei 50 bis 80 Prozent.
Zu einem umfassenden Behandlungskonzept gehÜren auch eine Aufklärung und Beratung bis hin zur Patientenschulung, die Anleitung zur Anfallsdokumentation gegebenenfalls durch Fßhren eines Anfallstagebuchs und Hilfen zur Integration in Familie, Schule, Beruf und Gesellschaft. Gesellschaftlich wird hierbei eine offene Auseinandersetzung empfohlen, die auf Respekt beruht.
Akutbehandlung
Die meisten epileptischen Anfälle enden nach wenigen Minuten von selbst. Je nach Art des Anfalles kann sich der Betroffene dennoch durch StĂźrze oder â beispielsweise während einer Phase von Zuckungen oder durch Handlungen im Zustand einer BewusstseinstrĂźbung â an Gegenständen in seiner Umgebung verletzen. Durch Aussetzen der Schutzreflexe kann es auch zu Aspiration von Essen, Mageninhalt oder â bei Badenden â groĂer Mengen Wassers kommen. Insbesondere Grand-mal-Anfälle fĂźhren durch ineffektive Atmung zu akutem Sauerstoffmangel, der das Gehirn noch weiter schädigen kann. Diese Gefahr ist umso grĂśĂer, je länger die Anfälle ohne zwischenzeitliches Erwachen anhalten (Status epilepticus).
Erste Hilfe
Vorrangig sollte man darauf achten, dass sich die Betroffenen insbesondere im Stadium der BewusstseinstrĂźbung keine Verletzungen zuziehen:
⢠vor Gefahren abschirmen
⢠gefährliche Gegenstände auĂer Reichweite bringen
⢠Absturzkanten versperren (z. B. im Treppenhaus)
⢠StraĂenverkehr ableiten oder anhalten
⢠Das frĂźher verbreitete EinfĂźhren eines BeiĂkeils wird heutzutage nicht mehr durchgefĂźhrt, da es zusätzliche Verletzungen bewirken und auĂerdem das Abklingen des Anfalls verzĂśgern kann.
⢠Ebenso soll man Betroffene während eines Anfalls nicht festhalten, ausgenommen Badende, deren Kopf ßber Wasser zu halten ist, bzw. die aus dem Badegewässer zu retten sind.
Schäden durch Sauerstoffmangel vermeiden: AuĂer in dem Fall, dass AngehĂśrige oder Betreuer eines Menschen mit Epilepsie Ăźber die MĂśglichkeit einer Akutbehandlung verfĂźgen, ist ein Notruf durchzufĂźhren. Der Notarzt oder das Rettungsdienstpersonal kann durch die Injektion von Medikamenten einen länger anhaltenden Anfall beenden und kurzfristige Folgeanfälle verhindern.
Grundsätzlich ist es fĂźr die behandelnden Ărzte auch hilfreich, wenn der Anfallsverlauf genau beobachtet und seine Dauer notiert wird, da dies die genaue Diagnosestellung und Behandlung erleichtert. Auch das Anfertigen von Videos beispielsweise mit dem Smartphone wird von vielen Ărzten begrĂźĂt, wenn dies zwischen dem Menschen mit Epilepsie und beispielsweise einem AngehĂśrigen abgesprochen ist und der Film vertraulich behandelt wird. Eine Anleitung zum Anfertigen solcher Videos von anfallsartigen Ereignissen gibt es beim Verein Deutsche Epilepsievereinigung.
MedikamentĂśse Therapie
Menschen, bei denen selbst oder bei ihren AngehĂśrigen eine schwere Form der Epilepsie bekannt ist, fĂźhren in der Regel ein ärztlich verordnetes Notfallmedikament mit sich, das bei Bedarf von jeder darin geĂźbten Person verabreicht werden kann. Es handelt sich hierbei um Tropfen, die je nach Darreichungsform entweder in die Wangentasche gegeben oder in Form eines Mikroklistiers in den Enddarm eingefĂźhrt werden. Der akute epileptische Anfall kann durch diese Gabe von Antikonvulsiva aus der Gruppe der Benzodiazepine in den meisten Fällen unterbrochen werden. Es haben sich insbesondere Diazepam, Clonazepam, Lorazepam, Midazolam und Nitrazepam in der Akuttherapie etabliert, wobei Midazolam den schnellsten Wirkungseintritt zeigt (< 30 Minuten).cite-ref-24[24] Jedoch ist die Wirksamkeit und Verträglichkeit jener Medikamente individuell unterschiedlich. Auch Thiopental, ein Barbiturat, wird als intravenĂśs zu verabreichende LĂśsung zur Therapie beim Krampfanfall eingesetzt.cite-ref-25[25] FĂźr die Dauerbehandlung werden diese Arzneistoffe nur in Ausnahmefällen eingesetzt, da sie bei regelmäĂiger Einnahme insbesondere zu einer psychischen Abhängigkeit fĂźhren kĂśnnen.
Dauerbehandlung
Ein so genannter Epilepsiehelm schĂźtzt vor Kopfverletzungen. Zur Vorbeugung epileptischer Anfälle stehen inzwischen sehr viele Medikamente (Antiepileptika bzw. nach neuerer Bezeichnung anfallssupprimierende Medikamente) zur VerfĂźgung. Von den älteren Wirkstoffen werden fĂźr Epilepsien mit fokalen Anfällen nach wie vor Carbamazepin und fĂźr Epilepsien mit generalisierten Anfällen Valproinsäure häufig eingesetzt. Von den inzwischen zahlreichen neueren Wirkstoffen werden Lamotrigin und Levetiracetam am häufigsten verordnet. Anstelle Carbamazepin wird wegen der vergleichbaren Wirksamkeit, aber schwächerer Enzyminduktion häufiger seinem Ketoanalogon Oxcarbazepin oder Eslicarbazepinacetat der Vorzug gegeben. Valproinsäure wird bei der Dauerbehandlung primär generalisierter Anfälle bevorzugt, bei Frauen im gebärfähigen Alter allerdings nur bei fehlenden Alternativen. Als Monotherapeutika stehen darĂźber hinaus die klassischen Antiepileptika Phenytoin, Phenobarbital und Primidon mit allerdings recht ungĂźnstigem Nebenwirkungsprofil zur VerfĂźgung. Von den neueren Antiepileptika haben auch Topiramat und Zonisamid Zulassungen zur Monotherapie, wohingegen Brivaracetam, Perampanel, Rufinamid und Stiripentol nur zur Zusatzbehandlung eingesetzt werden sollen.cite-ref-awmf-23-2[23] Eine spezielle Gruppe von Epilepsien des Kindesalters, die gutartigen (âbenignenâ) idiopathischen Partialepilepsien, werden bevorzugt mit Sultiam behandelt. Ethosuximid hat seinen besonderen Stellenwert in der Behandlung der Absence-Epilepsie des Schulalters, bei der es sich in einer groĂen Vergleichsstudie gegenĂźber Lamotrigin und Valproinsäure als Ăźberlegen erwiesen hat.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]
Ihre Effekte erzielen diese Arzneistoffe ßber eine ErhÜhung der Reizschwelle durch Hemmung von Natrium-Ionenkanälen (Valproinsäure, Carbamazepin, Oxcarbazepin und Phenytoin) oder durch eine Aktivierung von GABA-Rezeptoren (Phenobarbital und sein Prodrug Primidon) im Zentralnervensystem.
Die Zahl der Patienten, die nicht compliant sind, ist in der Neurologie besonders hoch.cite-ref-28[28] Bei Patienten mit Epilepsie liege die Rate der Medikamentenverweigerer bei 50 Prozent.cite-ref-psychiatrische-praxis-2009-29-0[29] Jede zweite Einweisung lieĂe sich verhindern, wenn Patienten ihre Medikamente nicht eigenmächtig absetzen wĂźrden.cite-ref-psychiatrische-praxis-2009-29-1[29]
Da die Monotherapie epileptischer Erkrankungen bei einem Teil der Patienten nicht zu einem befriedigenden Ergebnis fßhrt, kann eine Therapie unter Verwendung eines Zusatztherapeutikums mit einem ergänzenden Wirkmechanismus erwogen werden. Als Zusatztherapeutika haben sich die GABA-Analoga Gabapentin, Pregabalin, Tiagabin und Vigabatrin, welche die GABA-Konzentration im Gehirn erhÜhen, etabliert. Alternativ stehen die Ionen-, Calcium- und Natriumkanal hemmenden Suximide Mesuximid und Ethosuximid, Lamotrigin, Levetiracetam, Felbamat, Topiramat und Eslicarbazepinacetat zur Verfßgung.
Nach längerer Zeit der Anfallsfreiheit â wenigstens zwei Jahre â kann in Abhängigkeit vom Risiko des Wiederauftretens von Anfällen und den mĂśglichen psychosozialen Auswirkungen erneut auftretender Anfälle einerseits und den wahrgenommenen Beeinträchtigungen durch die Therapie andererseits auch ein ausschleichendes Beendigen der medikamentĂśsen Therapie erwogen werden. Zahlreiche Studien haben das Risiko des Wiederauftretens von Anfällen nach Beendigung der Medikamenten-Behandlung untersucht. Zusammengefasst besteht eine Chance von etwa 70 Prozent fĂźr eine dauerhafte Anfallsfreiheit ohne Medikamente, wenn
⢠eine Anfallsfreiheit von zwei bis fßnf Jahren bestand,
⢠nur ein Anfallstyp bestand,
⢠eine normale Intelligenz und ein normaler neurologischer Befund bestehen und
⢠sich das Elektroenzephalogramm unter der Therapie normalisiert hat.
Sonstige Methoden der Epilepsiebehandlung
Alternative pharmakologische MaĂnahmen
Neben den im eigentlichen Sinne anfallsunterdrßckenden Arzneistoffen gibt es fßr verschiedene schwer behandelbare Epilepsien noch weitere medikamentÜse Behandlungsansätze. Beim West-Syndrom hat sich die Behandlung mit ACTH (adrenocorticotropes Hormon aus der Hirnanhangdrßse, das die Nebennieren zu vermehrter Produktion von Cortison stimuliert) oder Corticosteroiden direkt als wirksam erwiesen. Diese nebenwirkungsreiche Behandlung (unter anderem Bluthochdruck, Verdickung der Herzmuskulatur mit eingeschränkter Pumpfunktion, Nierenverkalkung, Diabetes mellitus) wird auch beim Landau-Kleffner-Syndrom, der myoklonisch astatischen Epilepsie und dem Lennox-Gastaut-Syndrom mit unterschiedlichen Erfolgsaussichten eingesetzt.
Die Beobachtung, dass bei epilepsiekranken Kindern mit Heuschnupfen eine Injektion von Immunglobulinen zu einer Verbesserung des Anfallsleidens fĂźhrte, hat dazu gefĂźhrt, auch diese systematisch anzuwenden. Warum Immunglobuline bei Epilepsie Ăźberhaupt wirksam sind, ist noch unklar. Auch fehlen noch Kriterien, die bei der Vorhersage helfen, bei welchen therapieschwierigen Epilepsien diese Therapie erfolgversprechend ist. Eine Ăbersichtsarbeit, die 24 Studien zusammenfasste, konnte bei erheblich unterschiedlicher Behandlungsdauer und Dosierung in den einzelnen Behandlungen insgesamt eine Anfallsfreiheit von etwa 20 Prozent und eine Reduktion der Anfallshäufigkeit von etwa 50 Prozent zeigen.
Ketogene Diät
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Hauptartikel
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Ketogene Diät
Ausgehend von der Erfahrung, dass bei Menschen mit Epilepsie Fasten vorĂźbergehend zu einer Anfallsfreiheit fĂźhre, wurde seit 1921 mit einer Diät mit sehr hohem Fett-, geringem Kohlenhydrat- und moderatem EiweiĂanteil zur Erzeugung einer anhaltenden Stoffwechsellage mit Ăźberwiegender Fettverbrennung und Bildung von KetonkĂśrpern (Ketose) der biochemische Effekt des Fastens imitiert. Diese sogenannte ketogene Diät erwies sich bei Epilepsiepatienten als effektiv. Der genaue Wirkmechanismus ist dabei bis heute nicht geklärt. Zahlreiche Studien konnten aber zeigen, dass etwa ein Drittel der behandelten Patienten anfallsfrei werden und etwa ein weiteres Drittel eine deutliche Reduktion der Anfälle um mindestens die Hälfte erfährt. Sie ist aus praktischen GrĂźnden besonders gut fĂźr Kinder von ein bis zehn Jahren geeignet, aber auch bei Jugendlichen und Erwachsenen wirksam. Am besten scheinen myoklonische und atonische Anfälle, weniger gut generalisierte tonisch-klonische und fokale Anfälle und am schlechtesten Absencen anzusprechen. Die Diät soll normalerweise zwei Jahre lang durchgefĂźhrt werden, bei einem Teil der Patienten hält der erzielte Effekt Ăźber die Beendigung hinaus an. Als Nebenwirkungen kĂśnnen zu Beginn Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Diätverweigerung auftreten. Insbesondere bei zusätzlichen akuten Erkrankungen kann sich eine Ăbersäuerung des KĂśrpers einstellen. Das Risiko fĂźr die Bildung von Nierensteinen ist erhĂśht. Häufig zeigt sich auch eine teilweise massive ErhĂśhung der Blutfettwerte. Die mĂśgliche Langzeitauswirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen lässt sich nicht abschätzen. Besonders bei schwer verlaufenden Epilepsien stellt die ketogene Diät eine wirksame Behandlungsalternative dar.
Epilepsiechirurgie
Wenn trotz optimaler Auswahl der Antiepileptika in der maximal verträglichen Dosierung keine befriedigende Anfallskontrolle erreicht werden kann und eine strukturelle Läsion des Gehirns als ursächlich fßr die Anfälle nachgewiesen werden kann, kommt auch eine chirurgische Therapie des Anfallsleidens in Frage (Epilepsiechirurgie). Hierzu muss in sorgfältigen und ausgedehnten Untersuchungen vor dem Eingriff (prächirurgische Diagnostik) das anfallsauslÜsende Areal exakt lokalisiert und die funktionelle Beeinträchtigung nach Verlust des entsprechenden Hirngewebes abgeschätzt werden (zum Beispiel Wada-Test).
Vagusnervstimulation (VNS)
Bei der Vagusnervstimulation wird durch einen elektrischen Stimulator entweder in festen Intervallen oder auf Aktivierung durch den Patienten bei einem AnfallsvorgefĂźhl der linke Vagusnerv am Hals mit elektrischen StrĂśmen gereizt. Der Stimulator mit einer Batterie wird an der Brustwand eingesetzt. Der stimulierte Vagusnerv leitet die Erregung ins Gehirn weiter, wodurch die Anfallsfrequenz gesenkt werden kann.
Als Nebenwirkungen kĂśnnen lokale Schmerzen oder Missempfindungen, Veränderungen der Stimmlage, Luftnot, Ăbelkeit und Durchfälle auftreten. Obwohl der Vagusnerv auch direkt den Herzmuskel versorgt und an der Steuerung der Herzfrequenz beteiligt ist, wurde nicht Ăźber Veränderungen der Herzfrequenz berichtet.
Transkutane Vagusnervstimulation (ohne OP)
Bei der transkutanen Vagusnervstimulation sind weder eine Operation noch ein Klinikaufenthalt notwendig. Ăber eine mit einem Stimulationsgerät verbundenen Ohrelektrode wird durch die Haut ein Ast des Vagusnervs an einer bestimmten Stelle der Ohrmuschel stimuliert. Die Stärke der Stimulation stellt der Patient so ein, dass er ein angenehmes Kribbeln verspĂźrt. Durch den Ast des Vagusnervs wird die Erregung ins Gehirn weitergeleitet, wodurch Anfälle reduziert und gemildert werden kĂśnnen.
Die Anwendung der Therapie erfolgt allein durch den Patienten und kann gut in den Alltag integriert werden. Diese Form der Epilepsietherapie kann bereits frĂźh zum Einsatz kommen und hat nur geringe Nebenwirkungen, die in der Regel nach Beenden der Stimulation schnell abklingen. Die bislang einzige publizierte randomisierte Doppelblindstudie konnte allerdings keine Wirksamkeit nachweisen.cite-ref-30[30]
Verhaltenstherapie
Ăber ein Biofeedback-Modell und Verhaltenstherapie konnten einige Epilepsie-Patienten die Anzahl der Anfälle reduzieren. Vor und nach dem Anfall gibt es eine veränderte Hirnaktivität, Ăźber die Verhaltenstherapie konnten die Patienten einen gewissen Einfluss auf diese Aktivitäten erlangen, wodurch Anfälle verhindert werden konnten.cite-ref-doi10-1159-000056631-31-0[31]
FrĂźhwarnsysteme
⢠Epilepsiehunde
Viele Hunde kĂśnnen den epileptischen Anfall eines Familienmitglieds vorher erkennen. Daher versucht man seit einigen Jahren, gezielt Epilepsiehunde auszubilden.
⢠Hirnimplantat
Bei schweren und therapierefraktären Epilepsien gelang es, mit 16 EEG-Sonden als Hirnimplantat Anfälle vorherzusagen. So konnten sich die Betroffenen in âSicherheitâ bringen und den Anfall abwarten. Dies kĂśnnte die Lebensqualität von Menschen mit schwerer Epilepsie stark erhĂśhen und auch die Berufsfähigkeit länger erhalten.cite-ref-doi10-1016-s1474-4422-13-70075-9-32-0[32]
Prognose
Die Prognose von Epilepsien hängt von verschiedenen Faktoren wie dem vorliegenden Epilepsiesymdrom und dessen Ursache, der Art und Häufigkeit der Anfälle, dem Manifestationsalter sowie zusätzlich vorhandenen begleitenden Erkrankungen des Nervensystems ab. Sie kann sie unter den unterschiedlichen Gesichtspunkten der langfristigen Anfallsfreiheit (Remission), der psychosozialen Beeinträchtigungen oder der Sterblichkeit betrachtet werden.
Remission
Fasst man die unterschiedlichen Studien zur Prognose zusammen, erreichen insgesamt etwa 50 bis 80 Prozent aller Epilepsie-Patienten eine anhaltende Anfallsfreiheit. Dabei haben Kinder mit einem Erkrankungsalter zwischen einem und zehn Jahren die grĂśĂte statistische Wahrscheinlichkeit, anfallsfrei zu werden. Genetische und Epilepsien unbekannter Ursache haben allgemein eine bessere Prognose als solche mit nachweisbarer Ursache. Entsprechend verschlechtert sich die Prognose bei Patienten mit begleitenden neurologischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen. Anhaltende EEG-Veränderungen gehen ebenfalls mit einer niedrigeren Remissionsrate einher. Ein gutes prognostisches Zeichen stellt das rasche Ansprechen auf die Therapie dar, wohingegen bisher nicht belegt werden konnte, dass sich die Langzeitprognose durch ein frĂźhes Einsetzen der antiepileptischen Behandlung gĂźnstig beeinflussen lässt.
Sogenannte epileptische Wesensänderung
Das in manchen psychiatrischen Lehrbßchern lange Zeit tradierte Konzept einer spezifischen epileptischen Wesensänderungcite-ref-33[33] gilt heute als ßberholt. Es wurde in Deutschland seit den 1930er-Jahren in Form von Auffassungs-, Merk- und UrteilsstÜrungen, einer allgemeinen Verlangsamung, Haften im Denken, Umständlichkeit, Pedanterie, Selbstgerechtigkeit oder gutmßtige Stumpfheit als vermeintlich typisch beschrieben, was rßckblickend auch im Rahmen der nationalsozialistischen Rassenpolitik mit dem Ziel einer Ausrottung von Erbkrankheiten gesehen werden muss (siehe auch Aktion T4 und Euthanasie).
Mortalität
Grundsätzlich haben Menschen mit Epilepsien ein erhĂśhtes Risiko, vorzeitig zu versterben. MĂśgliche Ursachen dafĂźr sind direkte Folgen eines sogenannten Status epilepticus, Unfälle während eines Anfalles â beispielsweise Sturz oder Ertrinken â, SelbsttĂśtung, plĂśtzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie (SUDEP, Sudden Unexpected Death in Epilepsy, siehe unten) oder die Grunderkrankung, durch die die Epilepsie verursacht wird. Das relative Sterblichkeitsrisiko ist etwa zwei- bis dreifach gegenĂźber der gesunden VergleichsbevĂślkerung erhĂśht. Am geringsten erhĂśht ist es bei genetischen (frĂźher: idiopathischen) Epilepsien und am stärksten bei symptomatischen Epilesiesyndromen aufgrund fassbarer Veränderungen am Gehirn, besonders bei Kindern mit von Geburt an bestehenden neurologischen Defiziten.
PlĂśtzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie (SUDEP â Sudden Unexpected Death in Epilepsy)
Die Forschung nach Todesursachen von Epileptikern und die Erfassung ihrer Mortalität ist in Deutschland noch wenig ausgeprägt, weshalb nur wenige Informationen hierzu in der Literatur zu finden sind. Von den Menschen mit Epilepsie liegt die Sterblichkeitsrate bei 600 von 100.000 Personen pro Jahr, bei Neubetroffenen bei 60 von 100.000 Personen pro Jahr.
Die Inzidenz fßr SUDEP wird bei Erwachsenen in etwa mit einem von 1.000 Patienten pro Jahr angegeben. Auch bei Kindern und Jugendlichen wird aktuell von einer Inzidenz von 1,1 pro 1.000 Patienten pro Jahr ausgegangen.cite-ref-34[34] Das individuelle Risiko hängt von der Ausprägung der Erkrankung ab. Das SUDEP-Risiko ist beispielsweise 15-fach hÜher, wenn bei einer Person dreimal oder Üfter im Jahr generalisierte tonisch-klonische Anfälle (GTKA) auftreten. Fßr Patienten mit häufigen GTKA kann die SUDEP-Inzidenz sogar auf 18 pro 1.000 Personenjahre ansteigen.cite-ref-35[35]
In GroĂbritannien wird die Zahl der an oder infolge von Epilepsie gestorbenen Menschen mit 1000 pro Jahr angegeben. Es wird geschätzt, dass es sich bei den meisten dieser Todesfälle um SUDEP handelt.cite-ref-nscaoerd-36-0[36]
Geschichte
Epilepsie gehÜrt zu den häufigsten chronischen Krankheiten. Da das Erscheinungsbild bei epileptischen Anfällen spektakulär sein kann, sind Menschen mit Epilepsie im Lauf der Geschichte sowohl positiv wie negativ stigmatisiert worden.
So galten von einer Epilepsie, wobei der antike Begriff â insbesondere die byzantinische áźĎΚΝΡĎÎŻÎącite-ref-37[37] â nicht in jedem Fall als identisch mit dem heutigen Krankheitsbild anzusehen ist, betroffene Menschen in manchen antiken Kulturen als Heilige, da ihnen der (scheinbare) Ăbergang in Trancezustände so leicht fiel. Bereits im antiken Ăgypten und zur Zeit des babylonischen KĂśnigs Hammurabi (um 1700 v. Chr.), belegt im Codex Hammurapi, war Epilepsie bzw. âFallsuchtâ bekanntcite-ref-38[38] und gefĂźrchtet.
Bei Griechen der Antike galt Epilepsie (von epilepsia âdas von-oben-her-Ergriffenwerden, Angriff, Anfallâ, von griechisch epilambanein âergreifen, befallenâcite-ref-39[39]cite-ref-40[40]) als âheilige Krankheitâ,cite-ref-41[41] âals Besessensein von der gĂśttlichen Machtâ und wird daher auch heute zuweilen noch als Morbus sacer bezeichnet.cite-ref-pmid10080524-42-0[42] Je nach Art des Anfalls wurden verschiedene GĂśtter mit ihr in Verbindung gebracht (Kybele, Poseidon, Enodia, Apollon Nomios, Ares). Um 400 v. Chr. wandte sich jedoch der griechische Arzt Hippokrates bzw. der Verfasser von Ăber die heilige Krankheit kritischcite-ref-43[43] gegen die Heiligkeit der Krankheit.cite-ref-44[44]cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] Der Verfasser betonte, an anderer Stelle (im Prognostikon) die Eigenschaft des GĂśttlichen fĂźr alle Krankheiten in gleicher Weise postulierend, auch diese Krankheit habe eine natĂźrliche Ursache und die Therapie habe dementsprechend auch mit natĂźrlichen Mitteln zu erfolgen.cite-ref-48[48] Die rational fassbare Ursache war seiner Meinung nach: Kalter Schleim flieĂt in das warme Blut. Daraufhin kĂźhlt das Blut ab und kommt zum Stehen. Die Behandlung der im Corpus Hippocraticum bezĂźglich ihrer Symptome bereits genau beschriebenencite-ref-49[49] Fallsucht erfolgte nach dem Heilprinzip contraria contrariis âEntgegengesetztes mit Entgegengesetztem bekämpfenâ: Diätetik, Arzneimittel, SchrĂśpfen, Purgieren, Aderlass, Brenneisen und Trepanation. Galen (ca. 129â200) beschrieb erstmals die Aura als Anzeichen fĂźr einen beginnenden Anfall. Die Vorstellung vom Schleim (phlegma), der die Hirnventrikel verstopft, als Ursache der Epilepsie wie auch der Apoplexie findet sich auch in späteren Texten des Mittelalters.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]
Galen unterschied epilepsia, analepsia und catalepsia.cite-ref-53[53] Im 2. Jahrhundert hatte auch Aretaios eine Beschreibung des Anfallsleidens verfasst. Alexandros von Tralleis (ca. 525â605), der bereits das Gehirn als Ursprungsort der Epilepsiecite-ref-54[54] annahm, erkannte, dass Alkohol das Auftreten von epileptischen Anfällen begĂźnstigen kann, und empfahl Pflanzenbestandteile des Ysop und Eisenkraut.cite-ref-55[55]cite-ref-epilepsiemuseum-56-0[56]
Im antiken Rom mussten angehende Soldaten bei ihrer Musterung durch ein rotierendes Wagenrad in eine Lichtquelle (zum Beispiel die Sonne) schauen. Erlitten sie einen Anfall, wurden sie ausgemustert.
Das Markusevangelium schildert die spontane Heilung (9,17â29 ) eines Falles von Epilepsie und konstituiert als einzig mĂśgliche Therapie âGebet und Fastenâ (9,29 ) (nach anderen Textzeugen nur Gebet).
Aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammen die Funde zweier Handschriften mit dem spätalthochdeutschen Zauber- oder Segenspruch (Contra caducum morbum, von morbus caducus âFallsucht, fallende Suchtâ, mittelhochdeutsch vallende suht und vallend siechtac) gegen epileptische Anfälle.
Im Mittelalter wurde ein Anfall häufig als âAngriff von obenâ, als gĂśttliche Strafe, als vom Teufel verursachte oder als âdämonische Besessenheitâcite-ref-58[58] interpretiert und konnte fĂźr den Betroffenen schwerwiegende Konsequenzen haben, beispielsweise einen Exorzismus (Contra caducum morbum). Im Fall der Anneliese Michel geschah dies in Deutschland noch 1976. Paracelsus (1493â1541) betonte allerdings, dass keine unnatĂźrliche, mystische Ursache vorliege, und verwies darauf, dass auch Tiere (âvihâ) an Epilepsie erkranken kĂśnnen. Es sei zwar nicht immer mĂśglich, die Ursache (âwurzenâ) zu heilen, doch kĂśnne man die Symptome mildern (âdas die wurzen nimmer wachsâ). Paracelsus glaubte, die Epilepsie kĂśnne ihren Sitz auch in der Leber, im Herzen, in den Eingeweiden oder in den GliedmaĂen haben. Entsprechend seiner Konzeption der Ăbereinstimmung von Makro- und Mikrokosmos nahm er an, das âerdbidmenâ (Erdbeben) sei ebenfalls epileptischer Natur.cite-ref-epilepsiemuseum-56-1[56]
Im 17. und 18. Jahrhundert erhielt Epilepsie allmählich (wieder) ihren neuzeitlichen Stellenwert in der Reihe der Ăźbrigen Krankheiten, so unterschied zum Beispiel Simon-Auguste Tissot (1728â1797) zwischen idiopathischen (anlagebedingten) und sympathischen (aus einer Grunderkrankung, etwa einem Hirntumor folgenden) Epilepsien, grenzte die Epilepsie von psychogenen Anfällen ab, differenziert den Grand mal (GroĂen Anfall) vom Petit mal (dem Kleinen Anfall)cite-ref-59[59] und wendete Baldrian an; doch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es, wissenschaftlich zu beweisen, dass Epilepsie einen natĂźrlichen Ursprung hat. John Hughlings Jackson (1835â1911) verĂśffentlichte exakte Beschreibungen von Anfällen:
âDer [fokale, umschriebene] Anfall beginnt gewĂśhnlich, dies muss beachtet werden, in dem Teile des Gesichts, des Arms und des Beins, der den mannigfaltigsten Gebrauch hat. [âŚ] So beginnen die in der Hand einsetzenden Anfälle gewĂśhnlich im Zeigefinger und Daumen; im FuĂ einsetzende Anfälle beginnen gewĂśhnlich in der groĂen Zehe. [âŚ] Die Häufigkeitsfolge, in der bestimmte KĂśrperpartien von den Krämpfen ergriffen werden, [offenbart] vielleicht nur die Häufigkeitsfolge in der Krankheitsdisposition bestimmter Hirnpartien. [âŚ] Teile, die den mannigfaltigsten Gebrauch haben, werden im Zentralnervensystem durch mehr Ganglienzellen vertreten sein.âcite-ref-epilepsiemuseum-56-2[56]
Während der Diktatur des Nationalsozialismus in Deutschland galten Menschen, die von einer genetischen oder häufig auch nur vermeintlich genetischen Epilepsie betroffen waren, wie viele andere âBehinderteâ als âlebensunwertes Lebenâ. Nach dem Gesetz zur VerhĂźtung erbkranken Nachwuchses (GezVeN) vom 14. Juli 1933 wurden Menschen mit âerblicher Fallsuchtâ zwangssterilisiert. Viele von ihnen fielen ab 1940 den Krankenmorden der sogenannten Aktion T4 zum Opfer.cite-ref-60[60]
In frĂźheren Jahrhunderten wurde Epilepsie als Fallsucht und fallende Sucht bezeichnet.cite-ref-61[61] Mit Krämpfen verbundene Erkrankungen von Kleinkindern wurden im 19. Jahrhundert regional, vor allem im sĂźdwestlichen Teil des KĂśnigreichs Sachsen, als âUnkrautâ bezeichnet.cite-ref-62[62] Als wichtigste Heilige und Helfer gegen die auch âSt. Valentins Ăbelâcite-ref-63[63] genannte Fallsucht, Muskelkrämpfe und andere Nervenkrankheiten wurde unter den Gläubigen der heilige Valentin und der heilige Papst Cornelius angesehen. Corneliusâ Anrufung bei Epilepsie war so populär, dass sie auch als âKornelkrankheitâ oder âCorneliuskrankheitâ bekannt war. In den Niederlanden wurde sie Corneliuseuvel genannt. Im Rheinland, in Belgien und den Niederlanden sind insgesamt etwa 40 Orte bezeugt, an denen Cornelius wegen dieser Leiden angerufen wurde. Zu vielen dieser Orte erfolgten an bestimmten Tagen Wallfahrten, groĂenteils noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.
Museum
In Kehl-Kork (Baden-WĂźrttemberg) gibt es seit 2001 das Deutsche Epilepsiemuseum, das weltweit einzige zum Thema Epilepsie.cite-ref-64[64]cite-ref-65[65]
Tag der Epilepsie, Purple Day und Internationaler Epilepsie-Tag
Seit 1996 findet in den deutschsprachigen Ländern um den 5. Oktober herum der Tag der Epilepsie statt, ein gemeinsamer Aktionstag der Epilepsie-Fachgesellschaften und Laien-Organisationen. Dabei wird in vielen Städten und an Kliniken und Einrichtungen mit Informationstagen auf diese Krankheit aufmerksam gemacht.cite-ref-66[66] Seit 2008 findet ausgehend von den USA jährlich am 26. März der Purple Day statt, ein internationaler Tag zur Aufklärung ßber Epilepsie. Seit einigen Jahren gibt es aufgrund einer gemeinsamen Initiative des Internationalen Bßros fßr Epilepsie (International Bureau for Epilepsy; IBE) und der Internationalen Liga gegen Epilepsie (International League Against Epilepsy; ILAE) zusätzlich am zweiten Montag des Februars den Internationalen Epilepsie-Tag (International Epilepsy Day).
Recht, Schwerbehinderung und Kraftfahreignung
Hat ein Mensch Ăśfter epileptische Anfälle und kann auch durch Behandlung nicht Ăźber mindestens ein Jahr anfallsfrei bleiben, darf er in Deutschland kein Auto fahren und keine Tätigkeit verrichten, die ihn selbst oder andere gefährdet. Epilepsiekranke haben daher auch grĂśĂere Probleme mit der Berufswahl und sollten neben einem Spezialisten fĂźr Neurologie bei Bedarf auch einen Facharzt fĂźr Arbeitsmedizin konsultieren.
Viele Berufsunfähigkeitsversicherungen und auch Unfallversicherungen verweigern die Aufnahme von Epilepsiekranken, wenn diese nicht mindestens zwei Jahre anfallsfrei sind.
Kraftfahreignung
In Deutschland gelten bei der Kraftfahreignung fĂźr Menschen mit Epilepsie folgende Regeln:
Wer wiederholt unter epileptischen Anfällen leidet, ist nicht in der Lage, ein Kraftfahrzeug zu fßhren, da er sich und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Zur weiteren Differenzierung werden die Wagenfßhrer in zwei Gruppen geteilt:
⢠Gruppe 1: umfasst die Fßhrerscheinklassen A, A1, A2, B, BE, AM, L und T
⢠Gruppe 2: umfasst die Fßhrerscheinklassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E und die Fahrerlaubnis zur FahrgastbefÜrderung (FzF)
Bestimmungen fĂźr Gruppe 1:
Die Fahrerlaubnis wird erteilt:
⢠nach der einjährigen Beobachtung von einfach fokalen Anfällen, die ohne Bewusstseinsminderung auftreten und keine motorische, sensorische oder kognitive Einschränkung auf das Fßhren des Kraftfahrzeugs zeigen
⢠nach dreijähriger Beobachtung bei Anfällen, die ausschlieĂlich an den Schlaf gebunden sind
⢠nach drei- bis sechsmonatiger Beobachtungsphase in Anschluss an einen einmaligen Gelegenheitsanfall, insbesondere wenn dieser provoziert war
⢠nach einjähriger Anfallsfreiheit ohne offensichtliche Rezidivneigung (bei vormals therapieresistenten Epilepsien beträgt die Beobachtungszeit zwei Jahre)
⢠nach sechsmonatiger Anfallsfreiheit, wenn die Anfälle auf eine kßrzlich erfolgte Hirnoperation zurßckzufßhren sind
Bestimmungen fĂźr Gruppe 2:
Nach zwei unprovozierten epileptischen Anfällen bleibt der Betroffene in der Regel von dieser Gruppe ausgeschlossen, einzige Ausnahme ist eine vom Arzt bestätigte fßnfjährige Anfallsfreiheit ohne Behandlung mit Antikonvulsiva.
| StĂśrung | Gruppe 1 | Gruppe 2 |
|---|---|---|
| erstmaliger, unprovozierter Anfall ohne Anhalt fĂźr eine beginnende Epilepsie | keine Kraftfahreignung fĂźr sechs Monate | keine Kraftfahreignung fĂźr zwei Jahre |
| erstmaliger, provozierter Anfall mit vermeidbarem AuslĂśser | keine Kraftfahreignung fĂźr minimal drei Monate | keine Kraftfahreignung fĂźr minimal drei Monate |
| Epilepsie | in der Regel keine Kraftfahreignung Ausnahme : mindestens einjährige Anfallsfreiheit (auch mit medikamentĂśser Therapie) keine eignungsausschlieĂenden Nebenwirkungen der Therapie | in der Regel keine Kraftfahreignung Ausnahme : mindestens fĂźnfjährige Anfallsfreiheit ohne medikamentĂśse Therapie |
| persistierende Anfälle ohne zwangsläufige Einschränkung der Kraftfahreignung | ausschlieĂlich an den Schlaf gebundene Anfälle nach mindestens dreijähriger Beobachtungszeit ausschlieĂlich einfache fokale Anfälle ohne BewusstseinsstĂśrung und ohne motorische, sensorische oder kognitive Behinderung nach mindestens einjähriger Beobachtungszeit | keine Kraftfahreignung |
| Anfallsrezidiv bei bestehender Fahreignung nach langjähriger Anfallsfreiheit | Kraftfahreignung nach sechs Monaten wieder gegeben (falls keine Hinweise auf erhÜhtes Wiederholungsrisiko) bei vermeidbaren Provokationsfaktoren drei Monate Fahrpause | keine Kraftfahreignung |
| Beendigung einer antiepileptischen Therapie | keine Kraftfahreignung fßr die Dauer der Reduzierung des letzten Medikamentes sowie die ersten drei Monate ohne Medikation (Ausnahmen in gut begrßndeten Fällen mÜglich) | keine Kraftfahreignung |
Schwerbehinderung
Menschen mit Epilepsie haben in Deutschland die MĂśglichkeit, auf Antrag einen Schwerbehindertenausweis zur Gewährung steuerlicher und beruflicher Nachteilsausgleiche zu erhalten. Nach den âAnhaltspunkten fĂźr die gutachterliche Tätigkeitâ gelten dabei folgende Grade der Behinderung (GdB):
| Anfälle nach Art, Schwere und Häufigkeit | GdB |
|---|---|
| sehr selten (generalisierte groĂe und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von mehr als einem Jahr; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Monaten) | 40 |
| selten (generalisierte groĂe und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von Monaten; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Wochen) | 50â60 |
| mittlere Häufigkeit (generalisierte groĂe und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von Wochen; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Tagen) | 60â80 |
| häufig (generalisierte groĂe oder komplex-fokale Anfälle wĂśchentlich oder Serien von generalisierten Krampfanfällen, von fokal betonten oder von multifokalen Anfällen; kleine und einfach-fokale Anfälle täglich) | 90â100 |
| nach drei Jahren Anfallsfreiheit (bei weiterer Notwendigkeit von Behandlung mit Antiepileptika) | 30 |
| Ein Anfallsleiden gilt als abgeklungen, wenn ohne Medikation drei Jahre Anfallsfreiheit besteht. Ohne nachgewiesenen Hirnschaden ist dann kein Grad der Behinderung mehr anzunehmen. | â |
Merkzeichen
Je nach Art und Häufigkeit der Anfälle kÜnnen zusätzlich die folgenden Ausweismerkmale zuerkannt werden:
⢠âRFâ (Anspruch auf ErmäĂigung des Rundfunkbeitrags)
⢠âBâ (Begleitung notwendig)
⢠âGâ (erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im StraĂenverkehr)
⢠âaGâ (AuĂergewĂśhnliche Behinderung beim Gehen)
⢠âHâ (Hilflosigkeit)
| Merkzeichen | Voraussetzungen fĂźr Merkzeichen | Mindest-GdB/GdS |
|---|---|---|
| G | In seiner Bewegungsfähigkeit im StraĂenverkehr erheblich beeinträchtigt ist: Wer infolge einer Einschränkung des GehvermĂśgens ⌠oder infolge von Anfällen oder von StĂśrungen der Orientierungsfähigkeit, nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten oder nicht ohne Gefahren fĂźr sich oder andere Wegstrecken (2 Kilometer ) im Ortsverkehr zurĂźckzulegen vermag, die Ăźblicherweise noch zu FuĂ zurĂźckgelegt werden | 70 |
| B | Die gleichen Voraussetzungen wie bei Merkzeichen G oder H Eine Berechtigung fĂźr eine ständige Begleitung ist bei schwerbehinderten Menschen, bei denen die Voraussetzungen fĂźr die Merkzeichen âGâ, âGlâ oder âHâ vorliegen, anzunehmen | 70 |
| H | Davon kann bei Anfallsleiden ausgegangen werden, wenn diese alleine einen GdB/GdS von 100 bedingen (komplex-fokale Anfälle wÜchentlich, einfach-fokale Anfälle täglich, Serien von Generalisierten Anfällen, häufige Status epilepticus Anfälle). Ausnahme : Bei Kindern (bis 18 Jahre) kann auch bei einem geringeren GdB Hilflosigkeit angenommen werden | 100 |
| RF | Dieses Merkzeichen kann erteilt werden bei Menschen mit einem GdB/GdS von mindestens 80, die wegen ihrer Behinderung an Üffentlichen Veranstaltungen auch mit einer Begleitperson ständig nicht teilnehmen kÜnnen. | 80 |
| aG | Kommt in der Regel nur in Betracht, wenn wegen der Anfallshäufigkeit und Anfallsschwere, häufig bis ständig ein Rollstuhl benĂśtigt wird oder andere orthopädische Krankheitsbilder mit vorliegen; z. B. mittlere bis schwere Osteoporose als Nebenwirkung von den Medikamenten oder anfallsbedingte häufige Knochenverletzungen oder KnochenbrĂźche | 80â100 |
Fachgesellschaften und Betroffenen-Organisationen
Die fßr Epilepsie zuständige Fachgesellschaft ist auf internationaler Ebene die Internationale Liga gegen Epilepsie (engl.: International League Against Epilepsy; ILAE), deren deutschsprachige Sektionen sind die
⢠Deutsche Gesellschaft fßr Epileptologie (DGfE),
⢠Ăsterreichische Gesellschaft fĂźr Epileptologie (ĂGfE) und die
Die Betroffenen- oder Laienorganisation auf internationaler Ebene ist das Internationale BĂźro fĂźr Epilepsie (engl.: International Bureau for Epilepsy; IBE), nationale bzw. regionale Organisationen im deutschsprachigen Raum sind u. a.
Deutschland
⢠Deutsche Epilepsievereinigung e. V.cite-ref-67[67] (DE)
⢠Epilepsie Bundes-Elternverband e. V.cite-ref-68[68] (e. b. e.)
⢠Landesverband fßr Epilepsie Selbsthilfe in Nordrhein-Westfalencite-ref-69[69] gem. e. V.
Ăsterreich
⢠Epilepsiedachverband Ăsterreichcite-ref-70[70] (EDĂ)
⢠Epilepsie Interessensgemeinschaft Ăsterreichcite-ref-71[71]
Schweiz
⢠Epi-Suisse â Schweizerischer Verein fĂźr Epilepsiecite-ref-72[72]
Siehe auch
Literatur
Allgemeines
⢠World Health Organization (2019): Epilepsy: a public health imperative. ISBN 978-92-4-151593-1. www.who.int
Leitlinien
⢠S1-Leitlinie Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter der Deutschen Gesellschaft fßr Neurologie. In: AWMF online (Stand 2017)
⢠S2-Leitlinie Diagnostische Prinzipien bei Epilepsien im Kindesalter der Deutschen Gesellschaft fßr Neuropädiatrie. In: AWMF online (Stand 2008)
⢠S1-Leitlinie Epilepsiechirurgische Behandlung bei Kindern und Jugendlichen der Gesellschaft fßr Neuropädiatrie (GNP). In: AWMF online (Stand 2009)
⢠S2k-Leitlinie Zerebrale Anfälle beim Neugeborenen der Gesellschaft fßr Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). In: AWMF online (Stand 2012)
LehrbĂźcher und Ratgeber
⢠B. Kßgelgen, A. Hillemacher (Hrsg.): Der Anfallskranke in der ärztlichen Sprechstunde. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York / Tokyo 1984, ISBN 3-540-12950-2.
⢠Hartmut Siemes, Blaise F. D. Bourgeois: Anfälle und Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen. Thieme, Stuttgart / New York 2001, ISBN 3-13-127031-4. (aktuelle Auflage: A. Panzer, T. Polster, H. Siemes: Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen. Diagnose und Therapie. 3., vollständig ßberarbeitete Auflage. H. Huber / Hogrefe AG, Bern 2015)
⢠Rolf Degen: Epilepsien und epileptische Syndrome im Kindes- und Erwachsenenalter. Elektroenzephalographie. Blackwell, Berlin/Wien 1999, ISBN 3-89412-366-4.
⢠Ansgar Matthes, HansjĂśrg Schneble: Epilepsien â Diagnostik und Therapie fĂźr Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart / New York 1999, ISBN 3-13-454806-2.
⢠Gßnter Krämer: Epilepsie. Die Krankheit erkennen, verstehen und gut damit leben. 4. Auflage. TRIAS, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8304-6716-8.
⢠GĂźnter Krämer: Epilepsie von AâZ â Medizinische FachwĂśrter verstehen. 4. Auflage. TRIAS, Stuttgart 2005, ISBN 3-8304-3229-1.
⢠GĂźnter Krämer: Diagnose Epilepsie â Kurz und bĂźndig. Wie Sie die Krankheit verstehen, die besten Therapien fĂźr sich nutzen, Ihren Alltag optimal gestalten. 2., vollständig Ăźberarbeitete Auflage. TRIAS, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8304-6695-6.
⢠Gßnter Krämer, Richard Appleton: Epilepsie. Ein illustriertes WÜrterbuch fßr Kinder und Jugendliche mit Epilepsie sowie ihre Eltern. 4., ßberarbeitete und erheblich erweiterte Auflage. Hippocampus-Verlag, Bad Honnef 2011, ISBN 978-3-936817-71-3.
⢠Gßnter Krämer, Rupprecht Thorbecke, Thomas Porschen: Epilepsie und Fßhrerschein. Hippocampus-Verlag, Bad Honnef 2011, ISBN 978-3-936817-73-7.
⢠GĂźnter Krämer, Anja D.-Zeipelt: Epilepsie â 100 Fragen, die Sie nie zu stellen wagten. 3. Auflage. Hippocampus-Verlag, Bad Honnef 2014, ISBN 978-3-936817-68-3.
⢠Andre Jaggy: Atlas und Lehrbuch der Kleintierneurologie. Schlßtersche, Hannover 2005, ISBN 3-87706-739-5.
⢠Karl F. Masuhr, Marianne Neumann: Neurologie. (= Duale Reihe). Georg Thieme Verlag, 2005, ISBN 3-13-135945-5.
⢠Jßrgen Bauer: Epilepsie: Nßtzliches zu Behandlung und Beratung. Springer, 2002, ISBN 3-7985-1357-0.
Kinder- und JugendbĂźcher zum Thema Epilepsie
⢠Willi Fährmann: Jakob und seine Freunde. Arena, Wßrzburg 1999, ISBN 3-401-02097-8. (ab neun Jahre)
⢠Ellen Howard: Edith allein. Aus dem Amerikan. von Doris Halter. Ueberreuter, Wien 1989, ISBN 3-8000-2728-3.
⢠Ellen Howard: Edith herself. Atheneum, New York 1987, Lions 1990; Collins, London 1987, 1990, 1994, ISBN 0-7857-3651-4. (englische Originalausgabe)
⢠HansjÜrg Schneble: Das Eigentor oder die Geschichte vom Peter Guck-in-die Luft. Dgvt, Tßbingen 2000, ISBN 3-87159-027-4. (ab 12 Jahre)
⢠Sophie Brandes: Kein bisschen cool. DTV, Mßnchen 2000, ISBN 3-423-78113-0. (ab 12 Jahre)
Geschichte
⢠Owsei Temkin: The Falling Sickness. A History of Epilepsy from the Greeks to the Beginning of Modern Neurology. Baltimore 1945; 2. Auflage Baltimore/London 1971; 2., durchgesehene Auflage Johns Hopkins, Baltimore 1994, ISBN 0-8018-4849-0.
⢠HansjÜrg Schneble: Krankheit der ungezählten Namen. Ein Beitrag zur Sozial-, Kultur- und Medizingeschichte der Epilepsie anhand ihrer Benennungen vom Altertum bis zur Gegenwart. Bern/Stuttgart/Toronto 1987.
⢠HansjÜrg Schneble: Heillos, heilig, heilbar. Geschichte der Epilepsie. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 978-3-11-017493-9.
⢠Jutta Kollesch, Diethard Nickel (Hrsg.): Antike Heilkunst â Ausgewählte Texte. Reclam, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-15-009305-4.
⢠Evert Dirk Baumann: Die Heilige Krankheit. In: Janus. Band 29, 1925, S. 7â32.
⢠Helmut Heintel (Hrsg.): Quellen zur Geschichte der Epilepsie (= Hubers Klassiker der Medizin und der Naturwissenschaften. Band 14). Bern/Stuttgart/Wien 1976.
⢠Friederike Waller (Hrsg.): Gesichter der âHeiligen Krankheitâ. Die Epilepsie in der Literatur. KlĂśpfer & Meyer, TĂźbingen 2004, ISBN 3-937667-04-0.
⢠Epilepsie. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 361 f.
Erfahrungsberichte
⢠Anja D. Zeipelt: Epi on board â ich glaubâ ich kriegâ ânen Anfall. R. G. Fischer Verlag, 2005, ISBN 3-8301-0885-0.
⢠Annette Fink: Blickfängerin. Mein Leben mit Epilepsie und Angst. Kreuz-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-7831-2830-7.
⢠Mechthild Katzorke, Volker SchĂśwerling, Bernd Pohlmann-Eden: Leben mit Epilepsie â eine filmische Langzeitdokumentation. catlinafilm, Berlin 2005.
⢠Sue Cooke: Zerzaustes Käuzchen. Die Emanzipation einer Epilepsiekranken. 3. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-23245-7.
⢠Katrin Knigge: Momente auĂer Kontrolle â leben mit Epilepsie. Teer+Feder Filmproduktion, 2003.
Ăbersichtsarbeiten
⢠Konrad J. Werhahn: Altersepilepsie. In: Deutsches Ărzteblatt International. Band 106, Nr. 9, 2009, S. 135â142 (aerzteblatt.de).
Weblinks
Wikibooks: Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
â Lern- und Lehrmaterialien
Commons
: Epilepsie
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Epilepsie
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Fallsucht
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Deutsche Epilepsievereinigung gem. e. V., Bundesverband der Epilepsie-Selbsthilfe
⢠Helmut Volkers: Das Anfallskind. â Antworten auf Fachfragen zu Epilepsien im Kindes- und Jugendalter
⢠IZE/Deutsche Gesellschaft fßr Epileptologie
⢠Berufliche Beurteilung bei Epilepsie und nach erstem epileptischen Anfall. Arbeitsschutz / DGUV Information 250-001, bisher BGI 585
Einzelnachweise
cite-note-kluge-11. â Kluge: Etymologisches WĂśrterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage.
cite-note-22. â Was tun bei einem Anfall? Epilepsiemuseum.de; abgerufen am 14. Januar 2021
cite-note-siemes-33. â Hartmut Siemes, Blaise F. D. Bourgeois: Anfälle und Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen. Thieme, Stuttgart / New York 2001, ISBN 3-13-127031-4.
cite-note-44. â E. B. Breitschwerdt et al.: Bartonella sp. bacteremia in patients with neurological and neurocognitive dysfunction. In: Journal of clinical microbiology, 2008, Band 46,9, S. 2856â2861, doi:10.1128/JCM.00832-08.
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cite-note-77. â Sanem Yilmaz, Gulhadiye Avcu, Mehmet Beyazal, Mehmet Arslan: A rare cause of seizures: brucellar brain abscess. In: Brazilian Journal of Infectious Diseases. 20 =Nummer=Mai/Juni, 2016, ISSN 1413-8670, S. 310â311, doi:10.1016/j.bjid.2015.12.010 (scielo.br [abgerufen am 31. März 2022]).
cite-note-88. â Anmerkung: Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, aber ein Diabetiker kann Hypoglykämien vermeiden, wenn er nach der Insulininjektion oder Tabletteneinnahme auch Nahrung zu sich nimmt.
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cite-note-2828. â Psychiatrische Praxis. Band 36, 2009, S. 258.
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cite-note-3535. â Dieter Dennig, Theodor May: 1. Auflage. Stiftung Michael / Bethel-Verlag, 2019, ISBN 978-3-935972-56-7.
cite-note-nscaoerd-3636. â National Sentinel Clinical Audit of Epilepsy-Related Death 2002. (PDF; englisch)
cite-note-3737. â Karl-Heinz Leven: Die âunheiligeâ Krankheit â epilepsia, Mondsucht und Besessenheit in Byzanz. In: WĂźrzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 17â57, hier: S. 17â29.
cite-note-3838. â Lennart Pyritz: Ein historischer Blick auf die Epilepsie von Dr. HansjĂśrg Schneble. (mp3-Audio; 8 MB; 8:43 Minuten) In: Deutschlandfunk-Sendung âSprechstundeâ. 5. April 2022, abgerufen am 5. April 2022.
cite-note-3939. â Theodor Klauser u. a. (Hrsg.): Reallexikon fĂźr Antike und Christentum. SachwĂśrterbuch zur Auseinandersetzung des Christentums mit der antiken Welt. I ff., Stuttgart 1950 ff., Band 5, S. 819â831.
cite-note-4040. â Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage. Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, GĂśttingen 1844, S. 373.
cite-note-4141. â Evert Dirk Baumann: Die Heilige Krankheit. In: Janus. Band 29, 1925, S. 7â32.
cite-note-pmid10080524-4242. â L. Jilek-Aall: Morbus sacer in Africa. Some religious aspects of epilepsy in traditional cultures. In: Epilepsia. Band 40, Nummer 3, März 1999, S. 382â386. PMID 10080524.
cite-note-4343. â Vgl. Karl Deichgräber: Aus der Geschichte der wissenschaftlichen Kritik im Corpus Hippocraticum. In: Medizinhistorisches Journal. Band 6, 1971, S. 97â112, hier: S. 106â110.
cite-note-4444. â Hippokrates: Ăber die heilige Krankheit. Kapitel 1, 2, 7.
cite-note-4545. â Die hippokratische Schrift âĂber die heilige Krankheitâ. Hrsg., Ăźbersetzt und erläutert von Hermann Grensemann, Berlin 1968 (= Ars Medica. Texte und Untersuchungen zur Quellenkunde der Alten Medizin, II, 1).
cite-note-4646. â Max Wellmann: Die Schrift âPeri hiĂŤrÄs noĂşsouâ des Corpus Hippocraticum. In: Sudhoffs Archiv. Band 22, 1929, S. 290â312.
cite-note-4747. â Owsei Temkin: The doctrine of epilepsy in the Hippocratic writings. In: Bulletin of the History of Medicine. 1, 1933, S. 277â322.
cite-note-4848. â Jutta Kollesch, Diethard Nickel: Antike Heilkunst. Ausgewählte Texte aus dem medizinischen Schrifttum der Griechen und RĂśmer. Philipp Reclam jun., Leipzig 1979 (= Reclams Universal-Bibliothek. Band 771); 6. Auflage ebenda 1989, ISBN 3-379-00411-1, S. 30, 127â133 und 193, Anm. 1.
cite-note-4949. â Die hippokratische Schrift âĂber die heilige Krankheitâ. Hrsg., Ăźbersetzt und erläutert von Hermann Grensemann. Berlin 1968 (= Ars Medica. Band II, 1).
cite-note-5050. â Hans Balzli: Vokabularien im Codex Salernitanus der Breslauer Stadtbibliothek (Nr. 1302) und in einer MĂźnchener Handschrift (Lat. 4622) beide aus dem XII. Jahrhundert (= Studien zur Geschichte der Medizin. Band 21). Barth, Leipzig 1931 (zugleich Dissertation, Universität Leipzig, 1920), S. 15 und 20 (âEpilensia [âŚ] est opilatio principalium ventriculorum cerebriâ).
cite-note-5151. â De herbarum virtutibus cum veris figuris herbarum [âŚ]. Hrsg. und mit Glossaren versehen von Simon de Lowitz. Officina Ungleriana: Florian Ungler, Krakau 1532; Neudruck Warschau 1979, Aa I (âEpilepsia est oppilatio principalium ventriculorum cerebri [âŚ], et es parva Apoplexiaâ).
cite-note-5252. â Ibn Butlan, Ibn Dschezla: Schachtafelen der Gesundheyt. Ăbersetzt und erweitert von Michael Herr, Neudruck der Ausgabe StraĂburg (Hans Schott) 1533. Weinheim an der BergstraĂe 1988, S. CXII f. (âApoplexia, volkommender schlagk oder paerlis [âŚ] Verstopffung der hyrnzellen von dreyen schlymigen feuchtigkeitenâ).
cite-note-5353. â Bernhard Dietrich Haage: Hesel, Erhart. In Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 3, Sp. 1192.
cite-note-5454. â Horst Kremling: Zur Entwicklung der klinischen Diagnostik. In: WĂźrzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 23, 2004, S. 233â261, hier: S. 248.
cite-note-5555. â Karl-Heinz Leven: Die âunheiligeâ Krankheit â epilepsia, Mondsucht und Besessenheit in Byzanz. In: WĂźrzburger medizinhistorische Mitteilungen. 13, 1995, S. 17â57.
cite-note-epilepsiemuseum-5656. â Deutsches Epilepsiemuseum
cite-note-5757. â Henner von Hesberg: Gladiatorenblut bei Epilepsie als etruskische Therapie â und der Bischof Marinos von Thrakien. In: Axel Karenberg, Christian Leitz (Hrsg.): Heilkunde und Hochkultur. Band 2: âMagie und Medizinâ und Der alte Mensch in den antiken Zivilisationen des Mittelmeerraums. MĂźnster 2002, S. 119â152.
cite-note-5858. â Vgl. etwa Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter. Frankfurt am Main/Berlin/Wien 1973; Taschenbuchausgabe ebenda 1979 und 1982, S. 110 f.
cite-note-5959. â Susanne Hahn: Epilepsie (Neuzeit). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. de Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 362.
cite-note-6060. â Epilepsiekranke während der Zeit des Nationalsozialismus (Thema auf der Webpräsenz des Deutschen Epilepsiemuseums Kork)
cite-note-6161. â Max HĂśfler: Deutsches Krankheitsnamen-Buch. Piloty & Loehle, MĂźnchen 1899 (Reprografischer Nachdruck: Olms, Hildesheim / New York 1970 und 1979, ISBN 1-174-35859-9), S. 703 f.
cite-note-6262. â Victor Metzner: âUnkrautâ, eine todbringende Kinderkrankheit. In: WĂźrzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 417â422.
cite-note-6363. â Jakob Grimm: Deutsche Mythologie. 3 Bände [1835]. 4. Auflage, hrsg. von Elard Hugo Meyer, Berlin 1875â1878; Neudruck Graz 1968; Nachdruck Wiesbaden 1992, Band 3, S. 339.
cite-note-6464. â epilepsiemuseum.de
cite-note-6565. â Eckart Roloff, Karin Henke-Wendt: Epilepsie, die Krankheit der ungezählten Namen. (Das Deutsche Epilepsie-Museum Kehl-Kork). In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen fĂźr Medizin und Pharmazie. Band 2: SĂźddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-7776-2511-9, S. 62â65.
cite-note-6666. â Gemeinsam leben mit Epilepsie â Deutsche Epilepsievereinigung. In: www.epilepsie-vereinigung.de. Abgerufen am 28. Juni 2016.
cite-note-6767. â epilepsie-vereinigung.de
cite-note-6868. â epilepsie-elternverband.de
cite-note-6969. â epilepsie-online.de
cite-note-7070. â epilepsie.at
cite-note-7171. â epilepsie-ig.at
cite-note-7272. â epi-suisse.ch